Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Bachelorarbeit zum Thema Unternehmentsethik

08. Juli 2019 FB SozÖk

Von Anuschka Reekers

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Professur für Unternehmensethik am Fachbereich Sozialökonomie habe ich mich mit der Fragestellung befasst, ob und inwiefern Unternehmen eine Verantwortung bezüglich der wachsenden Vermögens- und Einkommensungleichheiten in Deutschland haben. Für mich ist das Zusammenspiel von Gesellschaft und Wirtschaft und die moralische und ethische Ausgestaltung der Wirtschaft ein wichtiges und vor allem sehr interessantes Wissenschaftsfeld. Deshalb war schnell klar, dass ich, wenn möglich, meine Abschlussarbeit in diesem Bereich schreiben möchte. Die wachsende realpolitische Macht von großen Unternehmen und die Globalisierung führen meiner Meinung nach auch zu einem erweiterten Verantwortungsbereich. Daher istfür mich die Frage nach einer Verantwortung bzgl. der Vermögens- und Einkommensungleichheit eine sehr interessante, vor allem auch deshalb, da sie trotz der hohen gesellschaftlichen Relevanz bisher wenig untersucht wurde.

Im Laufe meiner Arbeit hat sich gezeigt, dass Unternehmen in jedem Fall Mitverursacher der wachsenden Einkommens- und Vermögensungleichheiten in Deutschland sind. Mithilfe von wirtschaftsethischen Theorien sowie einer philosophischen Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls habe ich außerdem untersucht, inwiefern diese Rolle des Mitverursachers auch eine Verantwortung begründen kann bzw. sollte. Aus integrativer Perspektive haben Unternehmen die Verantwortung, den Geschäfts- und Ordnungsrahmen ethisch legitim zu gestalten. Die Umsetzung dieser Verantwortung beginnt in der Praxis mit einem rationalen Diskurs mit allen Stakeholdern. Wendet man, wie in der Arbeit geschehen, das Differenzprinzip nach John Rawls innerhalb dieser rationalen Diskurse an, lassen sich die Gerechtigkeitsvorstellungen aller Stakeholder sowie der Geschäftsführung operationalisieren: Gerecht ist demnach kurzgefasst jede soziale oder wirtschaftliche Ungleichheit, die den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil verschafft. 

Für die Praxis finde ich es wichtig, sich weiter mit diesem Themenkomplex und dieser Fragestellung zu beschäftigen. Ich denke, dass bereits eine Steigerung des Bewusstseins dazu führen kann, dass Änderungen angestoßen werden. Viele Unternehmen zeigen bereits praktische Umsetzungen ihrer Verantwortung: Sie achten auf eine engere Kommunikation mit den Stakeholdern und beziehen diese in wichtige Entscheidungen ein, sie setzen sich Ziele bezüglich der Diversität im Management und einige achten bereits auf die Auszahlung eines tatsächlich existenzsichernden Lohnes für die unteren Jobpositionen. Diese Ansätze müssen noch viel weiter ausgebaut und flächendeckend von Unternehmen umgesetzt werden. Erhöhter Handlungsbedarf besteht beispielsweise noch bezüglich der Beschränkung von oberen Löhnen, vor allem von Managementgehältern. Hier lassen sich in der Praxis bisher äußerst wenige Umsetzungen finden.

Anuschka Reekers ist Absolventin des Bachelor Sozialökonomie aus dem Jahr 2019.

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