Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Politische CSR Identitäten von Unternehmen im Accord for Fire and Building Safety in Bangladesh

17. Juni 2019 FB SozÖk

Von Dr. Maximilian J. L. Schormair

Im Rahmen meiner Forschung an der Professur für Unternehmensethik am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg habe ich zusammen mit meiner Kollegin Dr. Kristin Huber den sog. Accord for Fire and Building Safety in Bangladesh untersucht. Der Accord ist eine Multi-Stakeholder Initative, die nach dem Einsturz der Rana Plaza Textilfabrik im April 2013 ins Leben gerufen wurde, bei dem über 1000 Menschen ums Leben kamen. Die Initative setzt sich zusammen aus internationalen Gewerkschaften und über 200 Textilunternehmen und representiert ein rechtlich verbindliches Abkommen zur Verbesserung der Feuer und Gebäudersicherheit von Textilfabriken in Bangladesch. In unserer Forschung haben wir mit zahlreichen Vertretern der deutschen Textilunternehmen gesprochen, die Teil des Accords sind, um zu verstehen, wie sich Unternehmen in derartigen Initativen verhalten. Im Ergebnis können wir 4 Gruppen von Unternehmen unterscheiden: Zum einen gibt es progressive Unternehmen, die die Teilnahme am Accord als essentiellen Teil ihrer Unternehmensverantwortung ansehen und die Vorgaben konsequent umsetzen. Demgegenüber gibt es aber auch eine Gruppe von konservativen Unternehmen, die am Accord nur aufgrund von externem Druck teilnehmen und die eigentliche Verantwortung beim Staat in Bangladesch ansiedeln. Interessanterweise haben unserer Forschungen noch zwei weitere Gruppen identifziert: Eine Gruppe von Unternehmen tritt mit einer eher konservativen Perspektive in die Initiative ein und entwickelt über die Zeit eine deutlich progressivere Haltung. Schließlich konnten wir eine vierte Gruppe identifzieren, die progressiver in die Initiative startet und über die Zeit konservativer wird. Insgesamt zeigen unsere Forschungen, dass Initiativen wie der Accord von vielseitigen politischen Prozessen angetrieben werden, die an der Oberfläche selten sichtbar sind. Multi-Stakeholder Initativen wie der Accord werden eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, wenn es darum geht, die Nachhaltigekeitsstandards internationaler Wertschöpfungsketten zu verbessern. 

Weitere Details zu dieser in der internationalen Fachzeitschrift Business & Society veröffentlichten Studie können unter folgendem Link nachgelesen werden: https://doi.org/10.1177/0007650319825786

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