Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Das Währungsregime der Franc-CFA-Zone: Implikationen für die Geldpolitik und Kreditschöpfung

25. April 2019 FB SozÖk

Von Florian Lampe

Der Franc CFA  wird heute als Währung in 14 afrikanischen Staaten verwendet: Während Benin, Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo die Union Economique et Monétaire Ouest Africaine  (UEMOA – Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion)  bilden, konstituieren Kamerun, die Zentralafrikanische Republik Kongo, Gabun, Äquatorialguinea und der Tschad die Communauté Economique et Monétaire de l’Afrique Centrale (CEMAC – Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft). Bis zum 31. Dezember 1998 war der CFA-Franc an den französischen Franc gebunden. Mit der Einführung des Euro 1999 wurde dieser zur neuen Ankerwährung. 

Mein persönliches Interesse galt ursprünglich der außergewöhnlichen Stabilität der währungspolitischen Vereinbarungen zwischen Frankreich und seinen ehemaligen Kolonien südlich der Sahara, die im Kern seit über 70 Jahren gültig sind – und somit auch die politische Unabhängigkeit der CFA-Länder überdauert haben. Dennoch sind die geldpolitischen und vor allem realwirtschaftlichen Implikationen unter Ökonomen und Politikern stark umstritten. In den letzten Jahren wird diese Diskussion zunehmend auch außerhalb der CFA-Zone und Frankreichs geführt.     

Die Befürworter der Währungskopplung betonen, dass die Stabilität des Euro die Erwartungsunsicherheit ausländischer Investoren reduziert und somit Direktinvestitionen in den CFA-Ländern fördern würde. Zudem seien die niedrigeren Transaktionskosten im Außenhandel mit der Euro-Zone wachstumsfördernd. Die Kritiker des Franc CFA sind hingegen der Auffassung, dass die Abhängigkeitsverhältnisse der F-CFA-Länder gegenüber Frankreich und Europa ohne eine autonome, an die eigene makroökonomische Lage angepasste Geld- und Währungspolitik weiter verstärkt werden. Kritisiert werden dabei unter anderem zwei zentrale Funktionsprinzipien, die Frankreich im Gegenzug für die Garantie des festen Wechselkursverhältnisses durchgesetzt hat: Zum einen müssen die beiden CFA Länder mindestens 50 % ihrer Devisenreserven beim französischen Schatzamt auf sog. Operationskonten halten, zum anderen sind die beiden CFA-Zentralbanken dazu verpflichtet, mindestens 50 % der Geldbasis durch Forderungen gegenüber dem Ausland zu decken.

Mit meinem Promotionsprojekt möchte ich untersuchen, wie sich die Funktionsprinzipien des postkolonialen CFA-Währungsregimes auf die Geldpolitik – und dabei insbesondere auf die Kreditvergabe an den Privatsektor – der CFA-Länder auswirkt. Dieser Fokus begründet sich auch durch die post-keynesianische Annahme, dass nicht die Höhe der Ersparnisse, sondern die Bereitschaft der Vermögensbesitzer bzw. Geschäftsbanken Kredite zu vergeben, privatwirtschaftliche Investitionen ermöglicht und somit den Ausgangspunkt der Kapitalakkumulation und Einkommensbildung darstellt.

Florian Lampe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich VWL.

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