Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Studieren ohne Abitur

18. April 2019 FB SozÖk

Von Sinje Schuck

Die Möglichkeit des Studiums ohne Abitur existiert am Fachbereich Sozialökonomie bereits seit über 70 Jahren. Damit ist der Fachbereich Sozialökonomie eine der Institutionen, die grundlegende Pionierarbeit im Bereich der Bildungsmobilität in Deutschland geleistet haben. Davon auszugehen, dass Arbeitserfahrung genauso für ein Studium qualifizieren kann wie das Abitur, schafft Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung und eröffnet neue Qualifikationsmöglichkeiten für Studierende mit beruflicher Erfahrung, Pflege- und/oder Erziehungszeiten. Das Studium ohne Abitur öffnet zudem Bildungswege für Studieninteressierte mit unterbrochenen Bildungsbiographien.

Jedes Semester stehen am Fachbereich Sozialökonomie von 300 Studienplätzen für Studienanfänger/innen im B.A. Sozialökonomie 120 Studienplätze für Studierende ohne Abitur zur Verfügung. Dies trägt zu einer besonderen Atmosphäre des lebenslangen Lernens und der Wertschätzung von praktischer und beruflicher Erfahrung am Fachbereich bei. Das gemeinsame Lernen von Studierenden mit und ohne Abitur informiert auch die Gestaltung der Lehrveranstaltungen, Studierende mit schulischem und beruflichem Hintergrund bereichern sich gegenseitig mit ihrer individuellen Perspektive auf den Lehrinhalt und studieren von Beginn des Studiums an gemeinsam.

Seit April 2016 baue ich das Multiplikator/innennetzwerk des Fachbereichs Sozialökonomie im Bereich der Bildungsmobilität auf und koordiniere die Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit für den Studienzugang ohne Abitur. Ich besuche häufig Ausbildungsmessen und Veranstaltungen auf denen potentielle Studieninteressierte nach neuen Qualifikationswegen suchen. Dies bereitet mir große Freude, insbesondere da ich durch die zahlreichen Kontakte mit den Alumni des Fachbereichs immer wieder sehe, welche vielfältigen neuen beruflichen Horizonte sich für Studierende ohne Abitur durch den Abschluss des B.A. Sozialökonomie eröffnen.

Was ich besonders fortschrittlich finde, ist, dass auch Studieninteressierte ohne abgeschlossene Ausbildung sich für die Aufnahmeprüfung bewerben können. Dies schafft echte Auswege aus prekären bzw. ungelernten Beschäftigungsverhältnissen. Zudem leistet die Anerkennung von Pflege- und Erziehungszeiten als gleichwertig zu Beschäftigungszeiten einen relevanten Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit. Und auch die Öffnung der Aufnahmeprüfung für Bewerber/innen mit Fluchthintergrund schafft flexible und nachhaltig offene Bildungswege für Menschen, die zu einem früheren Zeitpunkt gezwungen waren ihre Ausbildung zu unterbrechen.

Der Fachbereich Sozialökonomie ist durch den Studienzugang ohne Abitur einer der wichtigsten Akteure im Bereich der Bildungsmobilität in Hamburg. Es ist mir eine große Freude durch die Koordination der Öffentlichkeitsarbeit für den Studienzugang ohne Abitur dazu beizutragen.

Sine Schuck promoviert in der Sozialökonomie und unterstützt den Bereich „Studieren ohne Abitur“.

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