Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Bereit für die Krise?

24. Juni 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Daniel Geiger

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Organisationen mit Krisen und unerwarteten Ereignissen umgehen und wie diese Fähigkeit zu organisationaler und sozialer Resilienz beiträgt. Laut UN steigt aufgrund von Klimawandel und zunehmenden Migrationsbewegungen die Zahl der Hochrisikoereignisse, die die Funktionsfähigkeit von Organisationen und Gesellschaften bedrohen können, rapide an. Hochrisikoereignisse beginnen oftmals auf lokaler Ebene und betreffen eine einzelne Organisation, können aber sehr schnell in größere Krisen kumulieren die regionale oder bisweilen sogar globale Auswirkungen haben. Auf Basis ethnografischer Studien untersuchen wir, wie einzelne Organisationen und auch Netzwerke unterschiedlicher Partner in Krisen Hilfeleistungen koordinieren, wie Organisationen neue Strukturen schaffen bzw. mit fehlenden Strukturen umgehen, welche Rolle Routinen in Katastropheneinsätzen spielen und wie die Bearbeitung von Zeit und Raum zur Krisenbewältigung beiträgt. Bislang hat sich die Forschung vor allem mit der Effizienz von Organisationsstrukturen und deren planvollem Wandel beschäftigt. Der Fokus auf Krisen und Katastrophen beleuchtet hingegen ein relatives neues Forschungsfeld und versucht gewissermaßen Extremsituationen von Organisationen und des Organisierens zu betrachten. Hierzu führen wir Studien bei der Hamburger Feuerwehr, beim Technischen Hilfswerk und in humanitären Flüchtlingskrisen (Norduganda) durch. Ziel ist es die Krisenfestigkeit von Organisationen und Gesellschaften zu erhöhen. 

Daniel Geiger ist Professor für BWL, insb. Organisation.

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Zielkonflikte im Unternehmen: Einigkeit durch Mehrdeutigkeit?

11. April 2019 FB SozÖk

Dr. Ali Aslan Gümüsay

Nicht immer sind eindeutige, klare Zielformulierungen und Leitbilder der einzige Weg zum Unternehmenserfolg. Das zeigt eine aktuelle Studie von Ali Aslan Gümüsay von der Universität Hamburg und seinen Kollegen Michael Smets und Tim Moris von der University of Oxford. Die Forscher begleiteten die erste islamische Bank in Deutschland von der Idee bis zu ihrer Gründung und machten so spannende Entdeckungen. 

Traditionell betonen Führungstheorien die Wichtigkeit einer klaren, zentralen und starken Vision sowie einem einheitlichen Ziel für die Angestellten. Neben reinen Umsatzzielen werden allerdings auch immer öfter Ziele formuliert, die zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen sollen – die Gefahr von potenziellen Zielkonflikten innerhalb des Unternehmens ist groß. Um unterschiedlichen Zielen gerecht zu werden, wird in der Literatur bisher empfohlen, entweder diese zu separieren oder eine gemeinsame Identität innerhalb des Unternehmens zu entwickeln. Nur was, wenn das nicht möglich ist, weil sie zu gegensätzlich oder zu viele sind? Genau dies untersuchten die Wissenschaftler mit einer 2-jährigen Fallstudie und finden im gerade erschienenen Artikel im Academy of Management Journal eine Antwort. 

Eine Frage der Auslegung

Die Studie zeigt auf, dass die Führung für Zielformulierungen, strategische Positionierung und Leitbilder, aber auch in der internen und externen Kommunikation Mehrdeutigkeit nutzen. „Mehrdeutigkeit wird dabei nicht nur sprachlich eingesetzt, sondern betrifft die gesamte Identität“, so Gümüsay. Dadurch sollte Angestellten die Flexibilität gegeben werden, sich durch entsprechende persönliche Auslegung mit der Bank besser identifizieren zu können. Anstelle einer klaren Balance zwischen Religion und Marktlogik, ermöglichte die Bank den Angestellten eine persönliche Balance zu entwickeln und mit ihr zu arbeiten. 

Biegen ohne Brechen

„Das Zusammenspiel verschiedener Mechanismen ermöglicht es, dass in der Bank ganz unterschiedliche Einstellungen, Meinungen, Werte und Praktiken zugleich gelebt werden können, die Bank aber trotzdem eine Einheit in Vielfalt herstellen kann“, erklärt Gümüsay. Diese dynamische Balance nennen die Autoren elastische Hybridität. Die Organisation stellt ein Hybrid mit verschiedenen Zielen dar, erreicht so Resilienz und kann sich in ihrer Vision und Praxis „biegen ohne zu brechen“ und damit Einigkeit durch Mehrdeutigkeit herstellen. „Die Studie weist auch politische Implikationen auf, inwiefern Gesellschaften elastischer werden und so besser mit Vielfalt umgehen können, ohne ihre Einheit aufzugeben“, so die Autoren.

Ali Aslam Gümüsay ist Postdoc in der BWL. Er kam zunächst im Rahmen der DAAD-Förderung  P.R.I.M.E. (Postdoctoral Researchers International Mobility Experience) an den Fachbereich Sozialökonomie (verbunden mit einem Aufenthalt an der Wirtschaftsuniversität Wien).

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