Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Zielkonflikte im Unternehmen: Einigkeit durch Mehrdeutigkeit?

11. April 2019 FB SozÖk

Dr. Ali Aslan Gümüsay

Nicht immer sind eindeutige, klare Zielformulierungen und Leitbilder der einzige Weg zum Unternehmenserfolg. Das zeigt eine aktuelle Studie von Ali Aslan Gümüsay von der Universität Hamburg und seinen Kollegen Michael Smets und Tim Moris von der University of Oxford. Die Forscher begleiteten die erste islamische Bank in Deutschland von der Idee bis zu ihrer Gründung und machten so spannende Entdeckungen. 

Traditionell betonen Führungstheorien die Wichtigkeit einer klaren, zentralen und starken Vision sowie einem einheitlichen Ziel für die Angestellten. Neben reinen Umsatzzielen werden allerdings auch immer öfter Ziele formuliert, die zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen sollen – die Gefahr von potenziellen Zielkonflikten innerhalb des Unternehmens ist groß. Um unterschiedlichen Zielen gerecht zu werden, wird in der Literatur bisher empfohlen, entweder diese zu separieren oder eine gemeinsame Identität innerhalb des Unternehmens zu entwickeln. Nur was, wenn das nicht möglich ist, weil sie zu gegensätzlich oder zu viele sind? Genau dies untersuchten die Wissenschaftler mit einer 2-jährigen Fallstudie und finden im gerade erschienenen Artikel im Academy of Management Journal eine Antwort. 

Eine Frage der Auslegung

Die Studie zeigt auf, dass die Führung für Zielformulierungen, strategische Positionierung und Leitbilder, aber auch in der internen und externen Kommunikation Mehrdeutigkeit nutzen. „Mehrdeutigkeit wird dabei nicht nur sprachlich eingesetzt, sondern betrifft die gesamte Identität“, so Gümüsay. Dadurch sollte Angestellten die Flexibilität gegeben werden, sich durch entsprechende persönliche Auslegung mit der Bank besser identifizieren zu können. Anstelle einer klaren Balance zwischen Religion und Marktlogik, ermöglichte die Bank den Angestellten eine persönliche Balance zu entwickeln und mit ihr zu arbeiten. 

Biegen ohne Brechen

„Das Zusammenspiel verschiedener Mechanismen ermöglicht es, dass in der Bank ganz unterschiedliche Einstellungen, Meinungen, Werte und Praktiken zugleich gelebt werden können, die Bank aber trotzdem eine Einheit in Vielfalt herstellen kann“, erklärt Gümüsay. Diese dynamische Balance nennen die Autoren elastische Hybridität. Die Organisation stellt ein Hybrid mit verschiedenen Zielen dar, erreicht so Resilienz und kann sich in ihrer Vision und Praxis „biegen ohne zu brechen“ und damit Einigkeit durch Mehrdeutigkeit herstellen. „Die Studie weist auch politische Implikationen auf, inwiefern Gesellschaften elastischer werden und so besser mit Vielfalt umgehen können, ohne ihre Einheit aufzugeben“, so die Autoren.

Ali Aslam Gümüsay ist Postdoc in der BWL. Er kam zunächst im Rahmen der DAAD-Förderung  P.R.I.M.E. (Postdoctoral Researchers International Mobility Experience) an den Fachbereich Sozialökonomie (verbunden mit einem Aufenthalt an der Wirtschaftsuniversität Wien).

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