Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Metaanalyse zu Ersatzschulen in der Lernwerkstatt des Masters Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft

21. Juni 2019 FB SozÖk

Von Janice Schönfeld und Samira Lange

Im Sommersemester 2018 und Wintersemester 2018/19 haben wir in der von Prof. Miriam Beblo und Dr. Frederike Esche angeleiteten Lernwerkstatt im Masterstudiengang AWG selbstständig eine Metaanalyse zum Effekt von Ersatzschulen auf die Leistungsfähigkeit von Schüler*innen angefertigt. Eine Metaanalyse ist eine systematische quantitative Zusammenfassung von Primärstudien, oft kombiniert mit einer Zusammenhangsanalyse von Effektstärke und Moderatorvariablen.  

Unsere Metaanalyse befasste sich mit der Fragestellung, welchen Effekt Ersatzschulen auf die Leistungsfähigkeit der Schüler*innen unter Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren in Deutschland haben. Auf ökonomischer Ebene bietet die Humankapitaltheorie nach Gary S. Becker (1964) und auf soziologischer Ebene die Theorie der Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu (1982) unsere Grundlage. Für die Untersuchung bildeten wir drei Hypothesen:

1. Ein positiver Effekt des sozioökonomischen Hintergrunds ist bei allen drei untersuchten Kompetenzen (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) festzustellen,

2. Der Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds variiert je nach Kompetenz und

3. der Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds hängt von der Schulform ab.

Wir haben 77 Effektstärken aus 13 verschiedenen Studien in die Metaanalyse einbezogen. Dabei haben wir verschiedene Methoden gewählt, um die Selektivität der Ersatzschulen unterschiedlich stark zu berücksichtigen. Aus diesen Daten können schließlich durch Regressionsanalysen neue, aggregierte Einflüsse, die aus dem divergierenden sozioökonomischen Hintergrund von Privatschüler*innen an allgemeinbildenden Schulen resultieren, ermittelt werden. Wir kommen zu dem interessanten Schluss, dass der Effekt des soziökonomischen Hintergrunds den absoluten Leistungsvorteil nahezu aufhebt. 

Die Lernwerkstatt des Masters Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft wird im zweiten und dritten Studiensemester mit jeweils vier Semesterwochenstunden angeboten und soll durch die Methoden des forschenden Lernens, das selbständige Erschließen eines Themenbereiches und die Konzeption und Durchführung einer eigenen Studie die Studierenden zum selbständigen Forschen befähigen.

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