Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Doing family und doing reproduction in LGBT*Q-Familien

13. Mai 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Almut Peukert und Julia Teschlade, M.A.

LGBT*Q steht für lesbian, gay, bi, trans* und queer. Es bringt die Vielfalt an Lebensformen zum Ausdruck, die oft in den Definitionen von Elternschaft und Familie nicht berücksichtigt werden. Im Fokus unseres Forschungsprojektes stehen genau jene längst gelebten, aber nicht immer mitgedachten Regenbogen- oder LGBT*Q-Familien, ihre Familiengründungen sowie ihre familialen Alltagspraxen.

In dem DFG-Projekt „Ambivalente Anerkennungsordnung. Doing reproduction und doing family jenseits der heterosexuellen ‚Normalfamilie‘“ interessieren wir uns für die unterschiedlichen Wege, wie Menschen eine Familie mit Kindern gründen. Familie verstehen wir hier als Sammelbegriff für Menschen, die gemeinsam ein Kind oder mehrere Kinder haben (wollen) – seien es Einzelne, Paare, drei oder mehr Menschen, z.B. zwei Paare. Denn Elternschaft und Familie wird in vielfältigen Facetten des Zusammenlebens von Erwachsenen und Kindern im Sinne eines „doing family“ ‚getan‘: Ob lesbische Paare, die mit Hilfe eines Samenspenders und/oder einer Eizellspenderin Kinder bekommen, schwule Männer, die ihren Kinderwunsch durch Tragemutterschaft, Pflegschaft oder Adoption verwirklichen, Trans*Eltern oder Mehrelternfamilien in Co-Parenting-Arrangements.

Im Zentrum der empirischen Untersuchung stehen ca. zwölf nicht-heterosexuelle Ein- und Mehrelternfamilien (einschließlich Menschen, die eine solche Familie gründen möchten). Leitend sind die folgenden Forschungsfragen: Wie wird in LGBT*Q-Familien ein Kinderwunsch realisiert (‚doing reproduction‘)? Wie wird Familie in der Alltagspraxis hergestellt (‚doing family‘)? Eng verwoben sind damit Fragen sozialer Ungleichheit: Welche Erfahrungen machen die Familien mit Ungleichheiten? Welche Ein- und/oder Ausschlüsse erleben LGBT*Q-Familien? Und wie (re-)produziert Recht diese Ungleichheiten zwischen unterschiedlichen Lebensformen mit? Um diesen Fragen empirisch nachzugehen, lassen wir Familien selbst zu Wort kommen, indem wir (teil-)narrative Paar- und Familieninterviews führen. Datengewinnung, theoretisches Sampling und hermeneutische Dateninterpretation sowie Konzept- und Theoriebildung werden im Forschungsstil der Grounded Theory durchgeführt.

Den gesellschaftlich aktuellen und soziologisch relevanten Fragen gehen wir aus einer ungleichheits-, anerkennungs- und geschlechtersoziologisch-queertheoretischen Perspektive nach. Dabei verbinden wir Forschungsansätze zum Reproduktionshandeln, zu Reproduktionsarbeit, zu Familie, zur Alltagspraxis von LGBT*Q-Familien sowie die soziologische Ungleichheits-, Geschlechter-, Familien- und Anerkennungsforschung.

Das Projekt ist an der Universität Hamburg (Prof. Dr. Almut Peukert, Julia Teschlade) und der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Christine Wimbauer, Dr. Mona Motakef) angesiedelt und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (Laufzeit: 01/2018 bis 03/2021).

Almut Peukert ist seit dem Sommersemester 2019 Juniorprofessorin für Soziologie, insb. Arbeit, Organisation & Gender. Julia Teschlade ist ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin.

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