Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Erfahrungen aus dem B.A. Studium der Sozialökonomie im Fachgebiet BWL

18. Juli 2019 FB SozÖk

Von Jonas Heier

Das Studium der Sozialökonomie war eine besondere Erfahrung. In den ersten beiden Semestern wird den Studierenden ein allgemeines Verständnis über die Hauptdisziplinen Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und Recht vermittelt. Somit verfügte man nach Beendigung des Grundstudiums über eine valide Entscheidungsgrundlage für die Schwerpunktwahl im weiterführenden Studium. Meine Entscheidung fiel auf das Schwerpunktfach Betriebswirtschaftslehre.

Im Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre werden im Hauptstudium durch Kurse wie Bilanzierung, Kostentheorie, Marketing und Finanzierung & Investitionen I (3. – 4. Semester) die Grundlagen für ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis geschaffen. Hierbei ergeben sich nützliche Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Kursen des Hauptstudiums. Folglich erwies sich das erlernte Wissen aus den Kursen Kostentheorie oder auch Bilanzierung als hilfreiches Mittel um ein tiefgehendes Verständnis der Inhalte aus dem Kurs Finanzierung & Investitionen I zu erlangen. Gleichzeitig stellten vertiefende Pflichtveranstaltungen in den Bereichen Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Recht sicher, dass das „Big Picture“ nicht verloren geht und ermöglichten es mir die Betriebswirtschaftslehre im gesellschaftlichen und interdisziplinären Kontext zu betrachten.

Ein persönliches Highlight meines Studiums war das Auslandssemester in China, an der East China Normal University (ECNU) in Shanghai. Über das Zentralaustauschprogramm der Universität erhielt ich die Möglichkeit verschiedene Kurse in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der ECNU zu absolvieren. Besonders spannend war es in eine völlig andere Kultur und Umgebung einzutauchen und gemeinsam mit Studierenden aus aller Welt zu studieren. Zusätzlich stellte der fallstudienbasierte Unterrichtsstil an der East China Normal University eine reizvolle Abwechslung zu den bekannten Lehrformen dar.

Nach meiner Rückkehr entschied ich mich für das Vertiefungsmodul Finanz- und Rechnungswesen. Die Kurse und Seminare im Vertiefungsmodul zeichnen sich in der Regel durch eine geringere Teilnehmeranzahl aus und sind somit interaktiver gestaltet. Hier galt es sich zwischen einer Vielzahl interessanter Kurse und Seminare zu entscheiden. Von „Corporate Governance“, „Alternative Finance Ecosystems“ bis hin zur Bewertung realer DAX-Unternehmen wird eine breite Palette an spannenden Vertiefungsseminaren geboten. Insbesondere aufgrund der praxisorientierten Gestaltung der Seminare bot das Vertiefungsmodul für mich einen großen Mehrwert.

Alles in allem war das Studium der Sozialökonomie (B.A.) eine sehr bereichernde Erfahrung. Neben interessanten KommilitonInnen, inspirierenden DozentInnen sowie ProfessorInnen ist es vor allem die Interdisziplinarität, die diesen Studiengang auszeichnet. Das Studium der Sozialökonomie rüstet Studierende mit dem in unserer globalisierten und schnelllebigen Gesellschaft notwendigen Weitblick und Wissen aus, um bevorstehende berufliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Jonas Heier ist Student des Bachelors Sozialökonomie im Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre.

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Sozialökonomie – „Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung“

25. Juni 2019 FB SozÖk

Sozialökonomie ist mit ihrer interdisziplinären Herangehensweise dafür prädestiniert, sich auch komplexen Fragestellungen zu widmen. Sie kann fundiertes Wissen liefern – Wissen, das für viele gesellschaftliche Bereiche relevant ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unseres Fachbereichs sind in vielfacher Weise für einen solchen Transfer von Wissen aktiv. Sie „übersetzen“ sozialökonomisches Wissen für die Bereiche, in denen es handlungsrelevant ist.

Beispielsweise kann sozialökonomische Forschung wichtige Grundlagen für politische Entscheidungen liefern. Zudem können Sozialökonominnen und Sozialökonomen begleitend erforschen, ob z.B. sozialpolitische Maßnahmen und Programme tatsächlich die gewünschte Wirkung entfalten.

Drei konkrete Beispiele: Miriam Beblo (Professorin für VWL) ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie gehört auch zur Sachverständigenkommission für den 9. Familienbericht sowie zur Sachverständigenkommission für den 3. Gleichstellungsbereicht der Bundesregierung. Alexander Bassen (Professor für BWL) ist Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. Und Herr Knops (Professor für Zivil- und Wirtschaftsrecht) wurde 2019 erneut in den Beirat „Marktwächter Finanzen“ berufen, der eine Art Frühwarnsystem für die Verbraucherzentralen darstellt und eine Institution des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz ist.

Sie alle – und viele weitere Mitglieder des Fachbereichs – tragen somit zu etwas bei, das die Universität für sich in ihrem Leitbild fixiert hat: Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung.

In diesem Kontext kann auch gesehen werden, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fachbereichs Patenschaften der Universität für die 17 „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der vereinten Nationen (UN) übernommen haben. Unter dem Leitbild „Innovating und Cooperating for a Sustainable Future“ wurden von der UN 17 SDGs benannt, um systematisch auf die Erreichung des Ziels hinarbeiten zu können. Die Universität folgt diesem Leitbild und hat Ende letzten Jahres erstmals Patenschaften an Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer vergeben, die bereits einschlägig für die Themen ausgewiesen sind. Zwölf der Patenschaften wurden in der Sozialökonomie übernommen. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten damit einen wichtigen Beitrag, um an einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken. Die konkreten Themen der SDGs reichen von „Keine Armut“ über „Gesundheit und Wohlergehen“ bis hin zu „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ und „Bezahlbare und saubere Energie“. Zudem wurde eine Patenschaft an das Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität vergeben, dessen leitender Direktor, Alexander Bassen, ebenfalls aus der Sozialökonomie kommt.

Auch die Studierenden des Fachbereichs drängen immer wieder darauf, gesellschaftlich relevante und kritische Themen aufzugreifen. Beispielsweise fand im Wintersemester 2018/2019 auf Anregung von Studierenden am Fachbereich ein „Themensemester“ statt. Unter dem Titel „Gesundheit, Pflege, Care-Arbeit – Sozialökonomische Perspektiven“ wurde eine Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen organisiert, die für Interessierte geöffnet waren. Das Themensemester hat viel Zuspruch erhalten und aktuell plant der Fachbereich ein weiteres Themensemester.

Viele weitere Beispiele und Arten für Wissenstransfer und „Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung“ ließen sich anführen: Die Beteiligung an weiterbildenden Studiengängen, zahlreiche Forschungsprojekte und -kooperationen, die Beteiligung an #uhhhilft… Aber dieses „Schlaglicht“ ist bereits jetzt eines der längsten von „100 Schlaglichtern Sozialökonomie“. Das zeigt vermutlich, dass am Fachbereich Sozialökonomie – neben der ebenfalls bedeutsamen wissenschaftlichen Weiterentwicklung von Theorien und Methoden im Sinne einer Grundlagenforschung – der Erzeugung und dem Transfer von gesellschaftlich relevantem Wissen eine hohe Bedeutung beigemessen wird. Und es zeigt, dass die Sozialökonomie in dieser Hinsicht viel zu bieten hat!

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Interdisziplinarität als Spezialität

13. Juni 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Sebastian Späth

Der Begriff Universität steht für die Gemeinschaft der Wissenschaften (universitas litterarum). Die organisatorische Unterteilung dieser Gemeinschaft in Fakultäten und Disziplinen (Fächer) fördert allerdings nicht unbedingt die gemeinschaftliche Arbeit der Wissenschaften, sondern vor allem die Zusammenarbeit mit ähnlich ausgebildeten Personen aus den gleichen Disziplinen. Auch Karriereimpulse und Reputation basieren standardmäßig vor allem auf Erfolgen mit Publikationen in der eigenen Disziplin. Karin Knorr-Cetina hat die Problematik des Austausches zwischen verschiedenen Fächern (oder sogar Subfeldern eines Faches) schön beschrieben. Diese entwickeln unterschiedliche epistemische Kulturen und verwenden beispielsweise unterschiedliche wissenschaftliche Sprachen und Kulturen, die einen Wissensaustausch schwierig bis unmöglich machen.

Bei der Zusammenarbeit über Fächergrenzen hinweg ist zu unterscheiden zwischen multidisziplinären, interdisziplinären und transdisziplinären Vorgehensweisen.

Multidisziplinär ist Forschung dann, wenn sich verschiedene Disziplinen aus ihrer jeweiligen Sichtweise mit der gleichen Fragestellung befassen.

Wenn beispielsweise die Entscheidungsfindung eines Managers sowohl von Neurobiologen mittels einer Tomographie als auch von Verhaltensökonomen untersucht wird, jedoch jeder Forscher „in seinem Revier“ bleibt, handelt es sich um multidisziplinäre Forschung. Oft findet diese parallel und ohne Interaktionen der Fächer statt.

Interdisziplinär ist Forschung dann, wenn Wissen, Theorien oder Methoden anderer Disziplinen mit denen der eigenen Disziplin verknüpft werden und es zu einer Synthese kommt. Als Forscher muss man hier über den eigenen Tellerrand hinausblicken, „Conceptual Blending“ zwischen den epistemischen Kulturen und Theorien betreiben und die Terminologien anderer Fächer begreifen lernen.

Transdisziplinarität ist von Interdisziplinarität schwieriger abzugrenzen: hier entstehen integrierte Modelle, die die Grenzen einer Disziplin überschreiten und Relevanz jenseits einzelner Disziplinen aufweisen. Oft spricht man von Transdisziplinarität, wenn Ergebnisse nicht nur innerhalb einer Disziplin-„Blase“ verbleiben, sondern genutzt werden, um Auswirkungen auch außerhalb der Elfenbeintürme zu bewirken. Wenn beispielsweise psychologische Modelle herangezogen werden, um die Charakteristika von potentiellen Problem(Glücks-)spielern zu identifizieren und dabei Regelungen vorgeschlagen werden, um Spielsucht vorzubeugen, kann man von transdisziplinärer Forschung sprechen.

Die Sozialökonomie hat den Vorteil, in ihrer organisatorischen Struktur und inhaltlichen Ausrichtung interdisziplinär angelegt zu sein. Sozialökonomisch zu forschen und zu lehren impliziert die Zusammenarbeit mit Kollegen verschiedener Disziplinen.

Das Fachgebiet der Sozialökonomie, das sich zur Aufgabe gemacht hat, „Wechselwirkungen von Wirtschaft und Gesellschaft aus verschiedenen, sich ergänzenden Blickwinkeln – der Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Rechtswissenschaft“ mit gesellschaftspolitischer Relevanz zu untersuchen, ist von seiner Grundausrichtung inter- und transdisziplinär ausgelegt. Dies erfordert Toleranz und Verständnis und macht die Arbeit schwieriger, jedoch auch interessanter, relevanter und spannender.

Sebastian Späth leitet die Professur für BWL/Digitale Märkte an der Universität Hamburg.

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Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS)

07. Juni 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Arne Heise

Forschungen zur Sozialökonomie sind befasst mit der wechselseitigen Bindung von Individuen und Gesellschaft und knüpfen an Erkenntnisse der Soziologie, der Wirtschaftswissenschaft und der Gesellschafstheorie an. Die Kombination disziplinärer Wissensformen und Methoden ermöglicht eine historisch-systematische Orientierung. Diese schließt die Gesellschaftlichkeit als produktive Ressource ebenso ein wie daran notwendig geknüpfte demokratische Prozesse. Damit beschäftigen sich auch eigene Beiträge zum Funktionieren und Versagen von Märkten und zum demokratischen Gemeinwesen. Das Forschungsprogramm des Zentrums konzentriert sich darauf, ökonomische Vernunft, politischen Realismus und soziale Verantwortung zusammenzuführen. Zentral sind dabei nicht nur wissenschaftliche Erträge, sondern auch Beratungskompetenzen – etwa in Fragen der Gestaltung des lokalen Nahbereiches als auch zu weltgesellschaftlichen und weltwirtschaftlichen Problemen. In den gegenwärtig vorherrschenden Formen des Verhältnisses zwischen Individuen und Gesellschaft erkennen wir eine Dynamik, die einen neuen Gesellschaftsvertrag erfordert. In diesen Vertrag eingeschrieben werden muss das Recht, in ökonomisch-sozialer Hinsicht nicht ausgeschlossen zu werden, da es Grundlage jeglichen freien Urteilens und politischen Handelns ist.

Arnei Heise ist Professor für VWL, insb. Finanzwissenschaft und Public Governance

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Der BA Sozialökonomie: „Von Allen – für alle“

27. Mai 2019 FB SozÖk

Von Dr. Christine Zöllner

„Von Allen – für alle“ – im Januar grüßte das Hamburger Rathaus die Universität Hamburg zu ihrem 100.sten Geburtstag mit diesem Slogan. Dieser Idee trägt insbesondere der Studiengang BA Sozialökonomie Rechnung, deren Programmdirektorin ich bin. Eine Vielzahl unserer Studierender kann die Hochschulzulassung auch ohne Abitur über die Eingangsprüfung erlangen. Diese Durchlässigkeit prägt den Studiengang, den Ansatz in der Lehre und spiegelt in der Universität noch einmal verstärkt die Pluralität unserer Gesellschafft. Diesen Inhalten tragen wir zudem Rechnung, in dem das Curriculum interdisziplinär BWL, VWL, Soziologe und Rechtswissenschaften zusammenführt, da disziplinäre Antworten auf die Problemstellungen unserer Zeit nur einseitig sein können. Diese Merkmale sorgen dafür, dass dieser Studiengang anders ist als andere – machen ihn gleichzeitig aber zu etwas ganz Besonderem.

Christine Zöllner ist Programmdirektorin des Bachelor Sozialökonomie.

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Beitrag zum Exzellenzcluster „Climate, Climate Change and Society“ (CliCCS)

06. Mai 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Grischa Perino

Der Fachbereich Sozialökonomie ist mit vier Professoren aus den Fachgebieten BWL, VWL und Soziologie und mehrere Doktorandinnen, Doktoranden und PostDocs am neuen Exzellenzcluster CliCCS beteiligt. Im Rahmen des von 2019 bis 2025 laufenden Großprojektes mit etwa 200 beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll die übergeordnete Frage „Welche Klimazukünfte sind möglich – und welche sind plausibel?“ bearbeitet werden. Alle CliCCS-Projekte sind in Fragestellungen, Methoden und Zusammensetzung sehr interdisziplinär und umfassen nicht nur die vier am Fachbereich Sozialökonomie vertretenen Disziplinen, sondern ein breites Spektrum von Natur- und Sozialwissenschaften. Gleichzeitig verbindet der Cluster Grundlagenforschung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Stefan Aykut (FG Soziologie) und Grischa Perino (FG VWL) leiten gemeinsam mit Antje Wiener vom Fachbereich Sozialwissenschaften das Projekt „Dynamics of Climate Governance: Norms, Contestation, and Policies“ in dem die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamiken der Steuerung des Klimaproblems auf und zwischen verschiedenen Ebenen untersucht wird. Im Fokus stehen dabei die Verknüpfungen und Wechselwirkungen von nationalen Initiativen wie der deutschen Energiewende mit europäischen Instrumenten wie dem Emissionshandel, der Entstehung und Veränderung regionaler Institutionen und Normen und den globalen Klimaverhandlungen. Dieses Teilprojekt wird durch konzeptionelle und empirische Forschung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die politischen Spielräume und Entwicklungstendenzen im Bereich der Klimapolitik besser zu verstehen. Neben der Soziologie und VWL sind im Projekt auch die Rechtswissenschaften, die Politikwissenschaften, Geographie, Stadtplanung und Philosophie vertreten.

Timo Busch und Alexander Bassen (beide FG BWL) untersuchen im Projekt „From Company Responses to Decarbonization of the Economy“ gemeinsam mit Juristen, Soziologinnen und Politikwissenschaftlern wie und unter welchen Bedingungen die Dekarbonisierung auf Firmenebene erfolgt. Zu diesem Zweck soll ein großangelegtes, internationales Panel von Firmen regelmäßig befragt werden. Mit Hilfe dieser einmaligen Datenbasis wird die Rolle von firmenspezifischen und regulatorischen Faktoren herausgearbeitet und ermöglicht damit eine Abschätzung zu erstellen, wie sich z.B. der Energieverbrauch in verschiedenen Ländern und global entwickeln wird.

Grischa Perino ist Professor für VWL, insb. Ökologische Ökonomie.

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Die beste interdisziplinäre Bachelorarbeit des Bachelor

29. April 2019 FB SozÖk

Jedes Jahr wird der Preis für die beste interdisiplinäre Abschlussarbeit des Bachelor Sozialökonomie vergeben. Er ist mit 1000€ dotiert (die von der GDFF im Rahmen des Preises FINALE gestiftet werden). Zum einen muss die Arbeit eine qualitativ hochwertige sein, bei der theoretischer und praktischer Betrag, theoretische Tiefe, formale Anforderungen und andere Aspekte einfließen. Zum anderen muss die Arbeit interdisziplinär sein, das heisst mindestens zwei Fächer innerhalb der Sozialökonomie abdecken.

Im Jahr 2019 wurde die von Jens Matti Riedlinger verfasste Arbeit „Das CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz: Implementierung von Corporate Social Responsibility Berichtspflichten in nationales Recht“ prämiert.

Die von den Rechtswissenschaften betreute Arbeite beschäftigt sich mit der Berichterstattung über nichtfinanzielle Aspekte von Unternehmen. Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz ist in Deutschland die erste verpflichtende Berichterstattung für große kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen.

Die Bachelorarbeit zeichnet die Entstehung der übergeordneten EU-Richtlinien, deren Umsetzung in deutsches Gesetz (bei dem Deutschland nur die minimal verpflichtenden Richtlinien umsetzte), sowie deren Auswirkungen auf Unternehmen nach. Chancen und Herausforderungen bei der CSR Berichterstattung werden analysiert.

Interdisziplinär ist die Arbeit weil Corporate Social Responsibility als Bereich der Wirtschaftsethik Teil der BWL ist (am Fachbereich haben wir sogar eine eigene Professur zu dem Thema), weil der gesellschaftliche Diskurs zu den gewünschten ethischen Standards Teil des Prozesses ist, und die Auswirkungen vor allem für größere Unternehmen beachtlich sind. So umfassen die Berichterstattung mindestens: Umweltbelange, Arbeitnehmerbelange, Sozialbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Das Thema hat eine hohe praktische Relevanz. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Arbeit war noch kein einziger Bericht veröffentlicht worden und das Thema ist damit hochaktuell.

Unser Dank gilt Herrn Dr. Felix Boor, akademischer Rat a. Z. für die betreuung des Themas, wir wünschen Herrn Riedlinger, der sich jetzt in einem Masterstudium befindet weiterhin viel Erfolg!

Sebastian Späth ist Professor für BWL, insb. Digitale Medien. Als Fachbereichssprecher der Sozialökonomie hat er bei der Absolventinnen- und Absolventenfeier im Januar 2019 im Namen der FINALE-Jury die Preisentscheidung begründet.

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Der Fachbereich Sozialökonomie heute

02. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Gabriele Löschper

Der Fachbereich Sozialökonomie ist der größte der drei Fachbereiche der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Aktuell forschen und lehren 38 Professorinnen und Professoren am Fachbereich, 3.300 Studierende studieren dort.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Sozialökonomie neu aufgestellt. Zum Beispiel wurden über 70% der Professorinnen und Professoren in den letzten 10 Jahren berufen und wurden drei der fünf Masterprogramme der Sozialökonomie neu eingerichtet oder neu ausgerichtet. 

Zum Bachelor Sozialökonomie werden jedes Jahr ca. 600 Studierende zugelassen, der Studiengang ist einer der größten der Universität Hamburg. Besonders macht denStudiengang auch, dass bis zu 40% der Studienplätze für Studierende ohne Abitur vorgesehen sind und dass seine Studieninhalte sehr interdisziplinär sind (BWL, Soziologie, VWL und Recht). 

Auch in den Masterstudiengängen der Sozialökonomie und in der Forschung wird viel Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt. 

Herausforderungen und Probleme richten sich nicht nach den Einteilungen der Wissenschaft. Gesellschaftliche Situationen und Veränderungen lassen sich schwerlich in Schubladen einordnen, sie sind z.B. nicht nur ein „soziales“ oder ein „wirtschaftliches“ Phänomen. Die Sozialökonomie setzt darauf, Grenzen der Wissenschaftsdisziplinen zu überwinden und die Gesellschaft, ihre Probleme und Entwicklungen aus verschiedenen fachlichen Blickrichtungen zu betrachten. Und das nicht „nur nebeneinander“, sondern in bewusster Verschränkung von Perspektiven, so dass die interdisziplinäre Betrachtung von Wirtschaft und Gesellschaft mehr ist als die Summe ihrerTeile. Das ist nicht einfach, aber eine lohnende Aufgabe, um einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten zu können. 

Der besondere Blick der Sozialökonomie auf Wirtschaft und Gesellschaft, der sie anders als die „klassischen“ Wirtschaftswissenschaften macht, profitiert auch von der Vielfalt der Studierenden und der von ihnen in das Studium bei uns mitgebrachten und in die Forschung getragenen Fragen.

Die sozialökonomischen Studienprogramme sollen nicht „nur“ ein Ausbildungs-, sondern ein Bildungsangebot sein, das es unseren Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, eine verantwortungsvolle Rolle als Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Gesellschaft zu übernehmen. 

Zur Sozialökonomie gehört für mich eine fortwährende Veränderungsbereitschaft. Die spürbare Aufbruchsstimmung, die hohen Ansprüche an Forschung und Lehre und die Reflexion der gesellschaftlichen Verantwortung in der Sozialökonomie sind für mich als Dekanin wichtige Gründe, warum ich mich jeden Tag gerne für die Weiterentwicklung der Sozialökonomie einsetze.

Prof. Dr.Gabriele Löschper ist Dekanin der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, zu der – neben dem Fachbereich Sozialökonomie – die Fachbereiche Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre gehören.

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