Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Master HRM/Personalpolitik

15. Mai 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Daniela Rastetter

Auch wenn man nur Arbeitskräfte ruft, so kommen doch Menschen!

Die Arbeitsformen unserer Gesellschaft unterliegen einem immer schnelleren Wandel zwischen neuen Chancen und alten Zwängen. In den Unternehmen zählen die Potenziale menschlicher Arbeitskraft und die Verknüpfung von Arbeit und Lernen zu Schlüsselfaktoren betrieblicher Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit. Dagegen stehen Arbeitsverwaltung, Gewerkschaften, Betriebsräte oder Gleichstellungsbeauftragte vor der Aufgabe, möglichen Verwerfungen der Flexibilisierung gegenzusteuern. Eine Qualifikation in Human Resource Management und Personalpolitik bietet somit nicht nur in Personalabteilungen zahlreiche Einsatzfelder. 

Unser Verständnis von HRM/Personalpolitik ist sozialwissenschaftlich fundiert. Charakteristisch ist ihr spezifisch politischer und sozialökonomischer Blickwinkel auf praktisch-ökonomische Fragestellungen: 

Politik: Personalarbeit baut auf der Subjektivität der Mitarbeiter*innen auf, denn es hängt nach wie vor von den Besitzenden des Arbeitsvermögens ab, inwieweit sie es mitdenkend, konstruktiv und engagiert (oder eben desinteressiert, destruktiv und lustlos) in Arbeitsleistung umsetzen. Damit ist Personalmanagement eine politische Institution und Funktion.

(Ideologie-)Kritik: Wir möchten verstehen, wie sich personalpolitische Verfahren und Formen von Arbeit – Einstellungsverfahren, Beförderungsprozesse, Subjektivierung und Entgrenzung der Arbeit u.a. – auf die Beschäftigten und die Beschäftigtenverhältnisse, genauer auf Gesundheit, Wohlbefinden, Chancengleichheit etc., auswirken.

Im Zentrum des Veranstaltungsangebotes steht ein interdisziplinäres Studienprojekt im Format des Forschenden Lernens. Ziel dieses Studienprojekts ist die eigenständige Analyse wissenschaftlicher Fragestellungen mithilfe empirischer Forschungsmethoden aus dem Bereich der Personalforschung. Studierende erhalten hier die Gelegenheit, nach dem Prinzip des forschenden Lernens und in Kooperation mit Unternehmen und Verbänden zu arbeiten. In Arbeitsgruppen werden innerhalb eines Rahmenthemas (z.B. Gesundheit am Arbeitsplatz, Digitalisierung der Arbeit, Diversity Management) spezifische personalpolitischeFragestellungen bearbeitet. Im letztjährigen Studienprojekt lautete das Rahmenthema „Gute Arbeit im Kontext von Subjektivierung und Entgrenzung“. Die Studierenden bearbeiteten in ihren Teams folgende selbst entwickelte Fragestellungen:

  • Wahrnehmung „guter Arbeit“ im Spannungsfeld von Selbstverwirklichung und Selbstgefährdung am Beispiel von Coworking Spaces
  • Vertrauensarbeitszeit – Chance auf Selbstverwirklichung und /oder Tor zur Selbstgefährdung?
  • Sicherstellung des psychischen und physischen Wohlbefindens von ÄrztInnen während Bereitschaftsdiensten im Krankenhaus
  • Vertrauensarbeitszeit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Mitarbeiterbindung trotz Entgrenzung
  • Interessierte Selbstgefährdung im Home-Office 

Die Studierenden verfolgen ihre Projekte stets mit großem Engagement, und für die Lehrenden bietet das Format des Forschenden Lernens mehr Gelegenheiten zu Beratung und Begleitung und weniger Frontalunterricht. Aus einigen Studienprojekten entstehen Buchprojekte wie beispielsweise der Sammelband „Mikropolitik am Arbeitsplatz“, herausgegeben von Anna Mucha, Aleksandra Endemann und Daniela Rastetter.

Daniela Rastetter ist Professorin für BWL, insb. Personal und Gender. Sie ist Programmdirektorin des Masterstudiengangs „Human Resource Management/Personalpolitik„.

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