Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Atembare Luft für alle!

14. Juni 2019 FB SozÖk

Claudia Ranft

Nicht ganz hundert, aber immerhin 57 Jahre lang gab es in Hamburg die 2005 mit der UHH fusionierte Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, HWP. Schlaglichter aus dieser Zeit gehören natürlich auch zur Bildungsgeschichte unserer schönen Stadt. Im Rahmen ihres Studiums haben drei Studentinnen innerhalb von knapp zwei Jahren dafür gesorgt, dass das, was heute Normalität ist, schon Anfang der 2000er Jahre im Gebäude Von-Melle-Park 9 mit demokratischen Mitteln durchgesetzt wurde: Rauchfreiheit. Die Luftbelastung durch Zigarettenrauch im Foyer war zu dieser Zeit enorm. An manchen Tagen hätte dort ohne Weiteres der zweite Teil von „Gorillas im Nebel“ gedreht werden können. Es gehörte damals quasi zum guten Ton, das schon lange de facto bestehende Rauchverbot zu ignorieren, allen freundlichen oder weniger freundlichen Bitten um Rücksichtnahme und Schonung rauchempfindlicher Menschen zum Trotz. Eines Tages, nachdem wieder einmal ein qualmender Jungspund (keine „linke Socke“; sondern Marke Gymnasiast aus gutem Hause) eine Bitte um Rücksichtnahme und Beachtung des Rauchverbots abgebügelt hatte, platzte der Initiatorin Kragen. Schluss mit dem Opfergehabe! Schluss mit Bitte-Bitte und dem Hinnehmen von Spott und ignoranter Machtausübung. Wenn die, die eigentlich dafür zuständig wären, ihre Verantwortung nicht wahrnehmen wollen, dann werden wir eben selber aktiv! Nach akribischer Planung und erfolgreicher Einwerbung von Kampagnengeldern startete das Projekt mit einem bunten Strauß an Aktionen: Wechselnden Aushängen, Gesundheitsberatung, persönlicher Ansprache, Umfragen, Vorträgen, paradoxen Interventionen, unermüdlicher Präsenz „vor Ort“, Kunst am Bau u.v.m. Am Ende konnte ein von fast niemandem außerhalb des Teams erwarteter Erfolg gefeiert werden: Das Foyer und alle öffentlich zugänglichen Räume des Gebäudes waren rauchfrei geworden. Das Beste an diesem studentischen Projekt war seine Vorbildfunktion. Erst im Nachhinein war zu erfahren, wie viele Studierende, Lehrende und Verwaltungsangestellte, Nichtraucher*innen und Raucher*innen (!) sich hinter den Kulissen aus eigenem Antrieb in den Dienst der Sache gestellt und sich oftmals sehr unangenehmen Diskussionen ausgesetzt hatten. Die die Kampagne ganz unauffällig und teilweise im allerbesten Sinne subversiv unterstützt haben. Das ist ein kleines Beispiel für das, was in der Sozialökonomie nach Hamburger Lesart steckt: Einen konstruktiv-kritischen Blick auf den Ist-Zustand werfen, gemeinwohlorientierte Schlüsse ziehen, lösungsorientiert und kooperativ handeln. Auf dass wir für die nächsten hundert Jahre gewappnet seien!

Claudia Ranft arbeitet im wissenschaftsstützenden Bereich zweier VWL-Professuren der Sozialökonomie. Sie ist Diplom-Volkswirtin.

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Gesundheitsökonomische Forschung im Dialog

02. Mai 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Mathias Kifmann

Der Fachbereich Sozialökonomie ist am Hamburg Center for Health Economics (HCHE) beteiligt, einem der größten und führenden gesundheitsökonomischen Zentren Europas. Am HCHE wird großer Wert darauf gelegt, dass die Forschungsergebnisse diskutiert und ihren Weg in die Versorgungspraxis finden. Hierzu tragen Präsenta­tionen auf wissenschaftlichen Foren bei, die zudem einen Austausch zwischen Forschern, Politikern, Ärzten und Interessenverbänden fördern. 

Das HCHE Research Seminarist ein Forum für HCHE-Mitglieder und Gäste, bei dem eingeladene Redner ihre aktuellen gesundheitsökonomischen Forschungsarbeiten vorstellen, um mit anderen Forschern in einen konstruktiven Dialog zu treten. Es findet in der Vorlesungszeit im zweiwöchigen Turnus statt. Bisher haben schon über 100 nationale und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschung am HCHE präsentiert.

Mit Fokus auf Praktiker lädt das HCHE ein bis zweimal im Jahr zu HCHE Research Results livenach Hamburg ein. Jede Veranstaltung steht unter einem aktuellen Thema, zu dem neue Forschungs­ergebnisse vorgestellt werden. Im Anschluss werden diese mit Experten aus der Gesundheitswirtschaft und/oder Politik dis­kutiert. Auch die hochkarätigen Gäste – mehr als Hundert pro Veranstaltung – haben die Möglichkeit mitzudiskutieren und das Thema beim anschließenden Get-together zu vertiefen. 

Weitere Informationen über das HCHE erhalten Sie unter https://www.hche.de

Mathias Kifmann ist Professor für VWL, insb. Ökonomik der Gesundheit und der Sozialen Sicherung und Kernmitglied im Hamburg Center for Health Economics.

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