Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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„Welten“ sozial-ökologischer Wohlfahrt

26. November 2019 FB SozÖk

von: Prof. Dr. Katharina Zimmermann

Wie hängen Sozialstaat und ökologische Fragen zusammen? Dieser Frage widmen wir uns aus der Perspektive der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung. In diesem Forschungsfeld werden Länder seit nun fast 30 Jahren (seit dem 1990 erschienenen Werk „Three Worlds of Welfare Capitalisms“ von Esping-Andersen) in verschiedene Regime unterteilt, in denen spezifische Konstellationen von politischen Ideologien, wirtschaftlichen Produktionsformen oder Moralvorstellungen in den Zusammenhang mit bestimmten sozialstaatlichen Institutionen oder sozialstrukturellen Verteilungen gebracht werden. Im Bereich der Forschung zu Umweltpolitik werden ebenfalls bestimmte Gruppen von Ländern diskutiert, die spezifische Charakteristika beispielweise in Bezug auf die Verteilung von ökologischen Ressourcen oder umweltpolitische Regulierung aufweisen (z.B. Duit 2016).

Da wir davon ausgehen, dass soziale und ökologische Themen in vielerlei Hinsicht miteinander verquickt sind – so zum Beispiel in Form von Zielkonflikten bei wirtschaftlicher Produktion oder im Rahmen von sozialer Benachteiligung, die oft auch mit umweltbezogener Benachteiligung einhergeht – stellen wir uns die Frage, ob sich auch verschiedene Gruppen von Ländern identifizieren lassen, die jeweils durch ganz spezifische Zusammenhänge zwischen Sozial- und Umweltpolitik (bzw. entsprechenden Strukturen und Institutionen) charakterisiert werden. Dazu führen wir zum einen eine Clusteranalyse durch, die auf Basis von Daten zur Performance europäischer Länder im sozialen und ökologischen Bereich bestimmte Ländergruppen identifizieren soll. Zum anderen werden wir in den nächsten Jahren qualitative Untersuchungen in fünf europäischen Ländern durchführen, um die Mechanismen hinter den Verbindungen von sozialen und ökologischen Themen besser zu verstehen. Das Projekt wird von Katharina Zimmermann (Juniorprofessur Soziologie wirtschaftlichen Handelns) in Kooperation mit Paolo R. Graziano von der Universität Padua (Italien) durchgeführt.

Katharina Zimmermann ist seit Juni 2019 Juniorprofessorin für Soziologie, insbesondere Soziologie wirtschaftlichen Handelns. Ihr Forschungsinteresse gilt u.a. der vergleichenden Arbeitsmarkt- und der Wohlfahrtsstaatsforschung, der EU Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Einstellungen zum Wohlfahrtsstaat.

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Grenzen der Verteilung?

17. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Miriam Beblo

In dem soziologisch und ökonomisch aufgestellten Forschungsprojekt mit dem Untertitel „Sozioökonomische Analysen der Wahrnehmung von (Um-) Verteilungen in Europa“ stellen wir folgende Fragen:

  • Wie nehmen Europäer*innen nationale und europäische Sozialpolitik wahr?
  • Welche Rolle spielen Vergleiche mit Anderen – innerhalb nationalstaatlicher Grenzen und über Grenzen hinweg?
  • Welche Ursachen und welche Folgen hat die eigene Positionierung innerhalb der (inter-) nationalen Einkommensverteilung auf die Bewertung von Umverteilungspolitik?

Diese Fragen zur Akzeptanz der sozialen Sicherung in Europa beforschen wir mit einem interdisziplinären Ansatz aus experimenteller Wirtschaftsforschung, ökonomischer und soziologischer Ungleichheitsforschung sowie international vergleichender Sozialpolitik- und Wohlfahrtsstaatsforschung. 

Mit einem Erhebungsexperiment untersuchen wir den kausalen Einfluss von (Fehl-)Einschätzungen der eigenen Einkommensposition auf Umverteilungspräferenzen aus nationaler wie europäischer Perspektive. Wir erheben Daten für den Vergleich innerhalb eines Landes und zwischen Ländern und setzen die subjektiven (länderspezifischen) Einschätzungen  mit objektiven Daten in Bezug.

Im europäischen Vergleich soll das Projekt Erkenntnisse über individuelle Einstellungen zum Sozialstaat und zu sozialstaatlichen Prinzipien liefern und beleuchten, inwieweit die Bevölkerung eine mögliche EU-Koordinierung der Sozialpolitik unterstützt. Es gibt darüber hinaus Aufschluss über Interventionsmöglichkeiten zur Verringerung von möglichen Fehleinschätzungen und über Konsequenzen einer Kompetenzverschiebung für die Befürwortung der europäischen Idee.

Das fünfköpfige Forschungsteam besteht aus Prof. Dr. Miriam Beblo, Dr. Elisabeth Bublitz, Prof. Dr. Henning Lohmann, zwei wissenschaftlichen und einer studentischen Mitarbeiter*in.

Miriam Beblo ist Professorin für VWL, insb. Arbeitsmarkt, Migration und Gender.

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