Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Tiersoldaten – Global Animal Law in (Combat) Action

12. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Karsten Nowrot, LL.M. (Indiana)

Tiere zählen seit langem nicht nur zu den zahllosen „zivilen“ Opfern bewaffneter Konflikte, sondern sind ebenso lange darüber hinaus auch aktiv als – in der Terminologie des Humanitären Völkerrechts – „Kombattanten“ an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt. Die Bandbreite der bislang eingesetzten Tierarten reicht von Pferden, Elefanten und Hunden über Kamele, Tauben und Robben bis hin zu Delfinen und Bienen, um nur einige Beispiele zu nennen. Und dies gilt im Prinzip bis in die Gegenwart hinein. Zur Verdeutlichung sei hier nur auf den Umstand hingewiesen, dass selbst die Operation „Neptune Spear“ in Pakistan, welche zur Tötung Osama Bin Ladens im Mai 2011 führte, von den US Navy SEALs unter Mitwirkung des belgischen Schäferhundes Cairo erfolgte.

Vor diesem Hintergrund hat sich das vorliegende Forschungsvorhaben zum Ziel gesetzt, das Phänomen von Tieren als aktive Beteiligte an bewaffneten Konflikten im Lichte des Humanitären Völkerrechts einer rechtspraktischen Analyse zu unterziehen. Den Ausgangspunkt bildet die These, dass gerade das Humanitäre Völkerrecht, also das internationale Recht des bewaffneten Konflikts (ius in bello) – obgleich sich seine spezifische Relevanz im vorliegenden Kontext zugegebenermaßen wahrscheinlich nicht jedem auf den ersten Blick erschließt – zu denjenigen internationalen Rechtsgebieten gehört, welches sich aus der Perspektive einer politischen Theorie der Tierrechte als besonders lohnenswert darstellt. 

Zur Illustration dieser These sei hier nur der Umstand hervorgehoben, dass im Kontext bewaffneter Konflikte gelegentlich in der Praxis sogar eine in verschiedener Hinsicht gleichsam formelle Statusannäherung zwischen menschlichen Kombattanten und Tieren im Kriegseinsatz zu beobachten, welche sich zumindest in dieser Intensität in anderen Lebensbereichen noch kaum nachweisen lässt. In diesem Zusammenhang sei zunächst auf die Existenz von Kriegerdenkmälern für Tiere bzw. unter Einbeziehung von Tieren in mehreren Staaten hingewiesen. Weiterhin, und die formelle Statusannäherung noch deutlicher widerspiegelnd, ist hier die ebenfalls in einigen Ländern einstmals bzw. auch gegenwärtig noch verbreitete Praxis zu nennen, Orden und Ehrenzeichen an Tiere im Kampfeinsatz, darunter Pferde, Hunde, Brieftauben sowie Katzen, zu verleihen.

Karsten Nowrot ist Professor für Öffentliches Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt europäisches und internationales Wirtschaftsrecht.

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