Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Antidiskriminierung, Gleichstellung und Diversity Management

30. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Daniela Rastetter

Sowohl in Forschung und Lehre als auch in meiner Funktion als Gleichstellungsbeauftragte der WiSo-Fakultät interessieren mich Fragen des Abbaus von Diskriminierung in Organisationen und Möglichkeiten der Förderung von Gleichstellung. Diese Fragen betreffen insbesondere Geschlecht, aber auch andere Dimensionen, theoretisch alle, die zu Diskriminierung in Organisationen führen können. Durch Gleichbehandlungsgesetze sind die Dimensionen zugeschriebene Rasse, ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, Behinderung, sexuelle Identität sowie Religion und Weltanschauung vor Diskriminierung geschützt. In der Praxis geschehen jedoch immer wieder Benachteiligungen auch hinsichtlich dieser Merkmale, da das Gesetz Handlungsspielräume zulässt oder nicht immer befolgt wird. Der Ansatz des Diversity Managements hat zum Ziel, Bedingungen zu schaffen, durch die alle Organisationsmitglieder, ungeachtet ihrer Gruppenzugehörigkeiten, ihre Potentiale entfalten können und Konflikte vermieden werden. Differenz wird nicht mehr als Problem, sondern als Ressource betrachtet. 

Spannend ist hierbei, wie diese Ziele in Organisationen verhandelt und umgesetzt werden. Ausgehend von der Annahme, dass es verschiedene Interessengruppen gibt, die unterschiedliche Ziele bezüglich Gleichstellung verfolgen, sind Antidiskriminierung und Diversity ein umkämpftes Terrain und die Erfolge hängen stark von der Durchsetzungsmacht der Akteur*innen, der Kultur der Organisation und den Rahmenbedingungen (u.a. Unternehmensstrategie, Größe, politische Vorgaben) ab. 

Neu konturiert wird das Feld der Gleichstellung durch neue Arbeitsformen und den Wandel der Arbeit. Flexibilisierung, Digitalisierung und Entgrenzung der Arbeit schaffen neue Möglichkeiten der Chancengleichheit, aber auch neue Herausforderungen. Zu den Chancen zählen verbesserte Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsmarkt von Gruppen, die erschwerten Zugang zu Arbeit haben, durch flexibilisierte und digitalisierte Arbeit. Zu Herausforderungen gehören die zunehmend heterogenen Beschäftigungsverhältnisse in Organisationen (Zeitarbeit, Werkverträge, freie Mitarbeit etc.), die eine kollektive Interessendurchsetzung erschweren.  

Vor diesem Hintergrund arbeiten wir beispielsweise zu folgenden Fragen: 

  • Welche Erfolge haben Gleichstellungsmaßnahmen und Diversity Management unter verschiedenen organisationalen Bedingungen? Welchen Stellenwert haben dabei Gleichbehandlungsgesetze?
  • Welchen Einfluss hat die Digitalisierung von Arbeit auf Gleichstellung und Diskriminierung am Arbeitsplatz?
  • Welche Strategien setzen die unterschiedlichen Akteur*innen ein, um Gleichstellungsziele zu erlangen? Beispielsweise Frauen mit Aufstiegsmotivation: wie können sie sich in einem männerdominierten Umfeld behaupten?

Im Rahmen der Gleichstellungsarbeit an unserer Fakultät geht es um die Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses, um die Zahl der Professorinnen zu erhöhen, aber auch um Work-Balance-Fragen, die sowohl Frauen als auch Männer betreffen (damit die häusliche Care-Arbeit gerecht aufgeteilt wird) und Nichtdiskriminierung anderer Gruppen wie Beschäftigte mit Migrationshintergrund oder mit Behinderung.

Daniela Rastetter ist Professorin für BWL, insb. Personal und Gender. Sie ist zudem Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

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