Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Sozialökonomik der Ökonomik

01. Juli 2019 FB SozÖk Keine Kommentare

Von Prof. Dr. Arne Heise

Die Arbeiten zur Sozialökonomik der Ökonomik beschäftigen sich mit soziologischen und ökonomischen Erklärungsansätzen zur paradigmatischen Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften und deren von anderen Sozialwissenschaften unterschiedene Spezifik, einen in Forschung, Lehre und Politikberatung dominanten Mainstream auszubilden und andere paradigmatische Ansätze zu marginalisieren. Dadurch wird ein Pluralismus der Ontologien – nicht der Epistemologien – verhindert, der die anderen Sozialwissenschaften auszeichnet. Dieser Mangel an Pluralismus, der von einer zunehmenden Anzahl von Teilnehmern am Wissenschaftsmarkt als Einseitigkeit kritisiert wird, hat zu einem Reputationsverlust der Wirtschaftswissenschaften im Zuge der jüngsten Weltfinanzkrise und der scheinbaren Ratlosigkeit der Mainstream-Ökonomik hinsichtlich deren Erklärung und Remeduren geführt.

Es wird danach gefragt habe, ob die zunehmende Dominanz marktoptimistischer Ansätze – und spiegelbildlich die Zurückdrängung marktkritischer Denkstile – zufälliger oder systematischer Natur war (und ist)? Dabei wird eine interdisziplinäre Synthese aus ökonomisch-institutionalistischen und soziologischen Ansätzen verwendet, die mikroökonomische Anreizstrukturen im ‚Markt für ökonomische Ideen‘ in eine soziologisch fundierte Kapitalstruktur – bestehend aus ökonomischem, sozialem und kulturell-institutionellem Kapital – einbettet. Insbesondere die auf den französischen Soziologen Pierre Bourdieu zurückgehende ‚Kapital‘-Betrachtung ermöglichte es, eine – leider pessimistische – Prognose zur weiteren Entwicklung der Ökonomik zu begründen und offenbart das kritische Verhältnis von ‚Kapital‘ und ‚(Wirtschafts-)Wissenschaft‘.

Die Bedeutung der Arbeit kann darin gesehen werden, dass auf ‚Marktfehler‘ des (unregulierten) ‚Marktes für ökonomische Ideen‘ verweisen werden konnte, die wesentlich auf eine ungleiche Ausstattung verschiedener paradigmatischer Marktteilnehmer mit unterschiedlichen Kapitaltypen zurückzuführen sind und im Kern die grundgesetzlich gesicherte Wissenschaftsfreiheit im Sinne einer Konstitutivnorm einschränkt, die allen Denkschulen uneingeschränkten Zugang zum Wissenschaftsmarkt gewährt.

Arne Heise ist Professor für VWL, insb. Finanzwissenschaft und Public Governance.

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