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Medialisierung und Ökonomisierung von Jugend- und Musikkulturen: Ein IGK stellt sich vor

28. Juni 2019 FB SozÖk Keine Kommentare

Von Dr. Carsten Heinze

Der IGK Medialisierung und Ökonomisierung von Jugend- und Musikkulturen ist ein nunmehr seit knapp 10 Jahren regelmäßig stattfindender Einführungskurs, dessen Titel und inhaltlicher Ausrichtungsrahmen sich seit seiner konzeptuellen Entwicklung kaum verändert haben (im zweiten B. A.-Studienabschnitt werden Vertiefungsseminare dazu angeboten). Ein Blick in die inter- bzw. transdisziplinäre, international ausgerichtete Forschungslandschaft zeigt, dass dieses Thema in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat und vor dem Hintergrund des digitalen Wandels einen wichtigen sozial-und kulturwissenschaftlichen sowie ökonomischen Gegenstand zur Erklärung der (post-)modernen Konsumgesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts darstellt. Zugleich belegt die alltägliche Lehrerfahrung, dass dieses Thema auch von einer sehr aktiven und interessierten Student*innenschaft jedes Semester aufs Neue mit Leben, d. h. mit spannenden Themenvorschlägen, Hausarbeiten, Referaten und Diskussionen gefüllt wird. Darin spiegelt sich sowohl die empirische Lebendigkeit des Untersuchungsgegenstandes als auch dessen Veränderungsdynamik, die in diesen Kurs hineingetragen wird.

Wir – die IGK-Kursteilnehmer*innen des Sommersemesters 2019 im zweiten Abschnitt – möchten vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen Kurserfahrungen Ergebnisse, Effekte und Ziele kurz vorstellen. Die folgenden Ausführungen beruhen auf einer Gruppendiskussion, die wir hierfür gemeinsam durchgeführt haben. Die schriftliche Ausarbeitung und Zusammenführung der einzelnen Aspekte wurde vom Kursleiter, Carsten Heinze, vorgenommen.

Wir Kursteilnehmer*innen begrüßen die Kleingruppen-Arbeit des IGK (mit max. 25-30 Teilnehmer*innen) und haben diese Form als sehr hilfreich für den Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten erlebt. Das angebotene Thema ist hierfür sehr geeignet. Es wird von uns als Vorzug betrachtet, eine direkte und unmittelbare Bezugsperson zu haben, die uns an das gewählte Kursthema im Gegensatz zu Großveranstaltungen anderer Fachbereiche, Fakultäten und Universitäten, die dieses Kurskonzept (noch) nicht kennen, heranführt. Als passenden Einstieg in die Wissenschaft, das wissenschaftliche Arbeiten, Denken und Argumentieren, empfinden wir, dass gemeinsam an einem größeren Themenkomplex gearbeitet wird, und jeder darin sein Thema zu verorten und einzuordnen hat. Letzteres wird nicht vom Kursleiter vorgegeben, sondern kann nach Interesse, Neigung, Vorerfahrung und Vorwissen selbst gewählt werden, was die Eigenaktivität und die Einübung einer selbständigen Themenfindung erhöht. Ob und wie sich dann die einzelnen Hausarbeitsthemen inhaltlich aufeinander beziehen lassen, erfahren wir in den Referaten, mit denen jede/r Kursteilnehmer*in im zweiten IGK-Semester die eigenen Arbeitsergebnisse vor- und zur Diskussion stellt.

Das Thema Medialisierung und Ökonomisierung von Jugend- und Musikkulturen lässt sich unter sozialökonomischen Gesichtspunkten exemplarisch gut erörtern und umfasst (kultur-/medien-/wissens- und jugend-)soziologische, ökonomische und rechtliche Aspekte. Aufgrund der Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche der (post-)modernen Gesellschaft mit medialisierter und kommerzialisierter Pop(ulär)kultur ist es ein praxisnahes und lebensweltlich relevantes Thema, das vor allem qualitativ, aber auch quantitativ untersucht werden kann. Ein historischer Blick zurück in die Geschichte der Jugend- und Musikkulturen verdeutlicht darüber hinaus, welchen Einfluss diese auf die Entwicklung der (post-)modernen Gesellschaft genommen haben und welche Rolle darin das Mediale und Ökonomische spielen.

Das Spezifische in der praktischen Durchführung unseres IGKs sind die relative Freiheit und Autonomie, die im individuellen Umgang mit dem Thema und dessen Ausarbeitung in der Hausarbeit vom Dozenten eingeräumt werden. Zwar kann dies zu Beginn zu Irritationen und Orientierungsschwierigkeiten bei der Themenwahl führen, jedoch wird dadurch die Möglichkeit eröffnet, schon früh im Studium Selbstverantwortung und Selbständigkeit zu übernehmen, und damit Kompetenzen zu entwickeln, die für eine erfolgreiche akademische Bildung und Ausbildung unentbehrlich sind. Wir Kursteilnehmer*innen betonen, dass uns das „Hinbewegen zum eigenen Thema“ und das Erlernen selbständigen Denkens und Arbeitens trotz aller Eingewöhnungen Spaß bereitet und motiviert hat, sich in einen Themenzusammenhang zu vertiefen: „learning by doing“ hat einen hohen Stellenwert in unserem Kurs, der zum intrinsischen Lernen anregen soll. Zu unserer Absicherung, nichts Grundlegendes in der Ausarbeitung falsch gemacht zu haben, wird zu Beginn des zweiten Kursabschnitts eine erste Hausarbeitsfassung eingefordert, die dann in einem 4-Augen-Gespräch mit dem Dozenten besprochen und von ihm kommentiert wird. Anschließend wird die Möglichkeit eingeräumt, diese erste Fassung zu überarbeiten und in eine finale Form zu bringen, die dann die Grundlage zu Beurteilung unserer Leistung bildet.

Für die Zukunft wäre als Anregung zu überlegen, ob es nicht eine Abschlussveranstaltung aller IGKs geben könnte, auf der ausgewählte Hausarbeitsergebnisse vorgestellt und diskutiert werden. Hierdurch würde man einen Einblick in andere, sicherlich ebenso spannende Kursthemen bekommen und den kursübergreifenden, interdisziplinären Einführungseffekt verstärken.

Carsten Heinze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Lehre für besondere Aufgaben im Fachgebiet Soziologie.

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