Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Wohlfahrtsstaat in der liberalen Demokratie

10. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Arne Heise

Der Wohlfahrtsstaat befindet sich im Wandel. Einige sprechen von einer notwendigen Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen (Globalisierung, Alterung der Gesellschaft), andere sehen eine Beschneidung sozialstaatlicher Errungenschaften im Zuge der ideologischen Hegemonie des Neoliberalismus. Ein Blick in die empirisch erfassbare Wirklichkeit stützt – wie so oft – beide Thesen: Die weitgehende Konstanz sozialpolitischer Ausgaben am Volkseinkommen (die so genannte Sozialausgabenquote) legt einen Um-, nicht aber einen breiten Abbau des Wohlfahrtsstaates nahe. Die deutliche Zunahme der Gesundheitskosten pro Einwohner, die fast schon dramatische Änderung des Verhältnisses von Erwerbstätigen zu Nicht-Erwerbstätigen (insbesondere Rentner und Rentnerinnen in einer alternden Gesellschaft) und die trendmäßige Zunahme sozialer Alimentierung in Arbeit stützt andererseits die These des Abbaus an wohlfahrtsstaatlicher Absicherung pro Bedürftigkeitsfall, wie sie im Zuge der so genannten Agenda-Politik ausdrücklich formuliert wurde.

Vor diesem Hintergrund wird der Frage nachgegangen, was die Entwicklung der Wohlfahrtsstaaten in hochentwickleten Ökonomie erklärt. Die modernen Wohlfahrtsstaaten sind wesentlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden – die zeitliche Nähe zu den beiden Weltkriegen ließ die Vermutung aufkommen, insbesondere hierin nach den Bestimmungsgründen der Wohlfahrtsstaatsentwicklung zu suchen: Wohlfahrtsstaatliche Programme als ‚Belohnung‘ der Gesellschaft für die opfer- und verteidigungsbereiten Soldaten (und deren Familien) im Allgemeinen und der massive Ausbau fürsorglicher, sozialpolitischer Zuwendung für Kriegsversehrte im Besonderen. Tatsächlich aber gibt es keine starke Korrelation zwischen der ‚Kriegsbetroffenheit‘ einzelner Staaten und der quantitativen Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates, weshalb die kriegerischen Auseinandersetzungen in der 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts wohl nur indirekt für den Ausbau der Wohlfahrtsstaatlichkeit verantwortlich waren: Einerseits entstanden Alimentierungsansprüche in bis dahin unbekanntem Ausmaß, andererseits stiegen die kriegsbedingten Staatsausgaben auf ebenso unbekannte Höhen, die nach Beeindigung kriegerischer Auseinandersetzungen in andere – sozialpolitische – Verwendung umgelenkt werden konnten.

Eine politökonomische Betrachtung vertitt nun die These, dass die Ausgestaltung der nationalen Wohlfahrtsstaaten nicht etwa Ausdruck der politischen Aushandlungsprozesse in demokratischen Gemeinwesen ist, sondern den kulturell und institutionell eingebetteten Elitekonsens abbildet. Der Wohlfahrtsstaat entspricht in dieser Realitätsinterpretation also den (Verteilungs-)Interessen der gesellschaftlichen Elite, die in liberalen Demokratien aufgrund der ungleichen Ressourcenverteilung viel größere Wahrscheinlchkeit haben, ihre Interessen mittels Themenbesetzung und -rahmung zum Allgemeinwohl zu stilisiern. Und der gegenwärtig zu erlebende Umbau des Wohlfahrtsstaates muss durchaus als Abbau entsprechend der Interessen der Elite verstanden werden.

Arne Heise ist Professor für VWL, insb. Finanzwissenschaft und Public Governance.

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Research Group on Sustainable Finance

09. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Timo Busch

Die Forschungsgruppe „Sustainable Finance“ besteht aus fünf BWL-Professorinnen und Professoren aus der Sozialökonomie. Unser Ziel ist es, die Rolle der Finanzmärkte und von Kapitalanlagen für eine stärkere Forcierung von Nachhaltigkeit in Gesellschaft und Wirtschaft zu untersuchen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Finanzmärkte eine enorme Hebelwirkung auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse haben und daher einen entscheidenden Beitrag zur Lösung bestehender sozialer und ökologischer Herausforderungen leisten können – im lokalen wie globalen Kontext.

Ein Großteil unserer Forschung beschäftigt sich mit dem „Business Case for Sustainability“: Wie und wann werden ökologische und soziale Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichen Interessen in Einklang gebracht? In einem aktuellen Projekt haben wir hierfür den Status quo der akademischen Literatur untersucht. Basierend auf mehr als 2000 empirische Studien kommen wir zu einer klaren Erkenntnis: Nachhaltigkeit geht nicht einher mit Renditeverzicht. 

Der Klimawandel stellt die Finanzmärkte vor zwei zentrale Herausforderungen in Bezug auf die Erreichung einer 2° kompatiblen Wirtschaft: Einerseits schätzt die Internationale Energieagentur (IEA), dass bis 2035 kumulative Investitionen von 53 Billionen Dollar im Energieversorgungs- und Energieeffizienzbereich erforderlich sind, weshalb Investoren ihre Investitionen massiv umschichten müssen. Andererseits verbraucht die Menschheit derzeit mehr fossile Brennstoffe als je zuvor. Eine Abkehr von dieser massiven Kohlenstoff-Abhängigkeit konfrontiert Investoren mit erheblichen finanziellen Risiken. Wir suchen Antworten auf beide Herausforderungen. So kann das Potential der Finanzmärkte für einen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft veranschaulicht und ihre proaktive Rolle in diesem Prozess verstärkt werden.

Ferner untersuchen wir die Entwicklungen im Bereich von nichtfinanzieller Offenlegung von Unternehmen. Anleger benötigen solche Informationen um an Aktienmärkten nachhaltig investieren zu können. Innerhalb der EU gibt es inzwischen eine Verpflichtung für große Unternehmen, über bestimmte Themen mit Nachhaltigkeitsbezug im Jahresabschluss zu berichten. Eine zentrale Frage ist, wie Investoren Nachhaltigkeitskriterien in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen und welche Faktoren dies beeinflussen. Ein weiteres Projekt der Forschungsgruppe ist das Audit für das Label des Forums Nachhaltige Geldanlagen. Hier untersuchen Forscherinnen und Forscher einzelne Investmentfunds, für die anschließend einmal im Jahr ein Label vergeben wird, das Anlegern differenziert Auskunft über die Nachhaltigkeit eines Funds gibt.

Mitglieder der Forschungsgruppe sind im Exzellenzcluster Climate, Climatic Change, and Society sowie zahlreichen Drittmittelprojekten eingebunden und sind im Wissenstransfer in die Gesellschaft aktiv. 

Timo Busch ist Professor für BWL, insb. Energie- und Umweltmanagement. Er ist einer der Professoren der Forschungsgruppe „Sustainable Finance“.

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Forschungskolloquium Soziologie

08. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Frank Adloff

Im Fachgebiet Soziologie werden sehr unterschiedliche soziale Phänomene untersucht und diskutiert. Es geht uns bspw. um soziale Ungleichheiten entlang von Bildungs- oder Einkommensunterschieden, der Wandel der Arbeit wird untersucht, es geht um Fragen der Geschlechterungleichheit, aber auch um die Zukunft der Mobilität, derzeitige ökologische Krisen oder um Fragen nach einer nachhaltigen Lebensführung und Ökonomie – um nur wenige Themen zu nennen. 

Angesichts dieser Vielzahl an Themen und um über diese Fragen einen kontinuierlichen Austausch zu ermöglichen, veranstalten wir im Fachgebiet regelmäßig ein Forschungskolloquium. Zu diesem werden zum einen auswärtige Wissenschaftler/innen eingeladen, etwas aus ihrer Forschung vorzustellen. Aber auch die Mitglieder des Fachgebiets stellen laufende Arbeiten vor, seien es Ergebnisse aus empirischen Drittmittelprojekten, seien es Doktorarbeiten oder theoretische Entwürfe. Auf diese Weise tauschen wir uns auch über unsere jeweiligen Spezialinteressen hinaus über die Grundlagen sowie die aktuellen Forschungsansätze und -ergebnisse des Faches aus. 

Das Kolloquium findet durchschnittlich etwa vier Mal pro Semester statt, immer mittwochs von 12 bis 14 Uhr, und alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu kommen und mitzudiskutieren. Die Vortragenden, die Termine und Titel der Vorträge finden sich auf der Website des Fachgebiets Soziologie.

Frank Adloff ist Professor für Soziologie, insb. Dynamiken und Regulierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Mehr zum Forschungskolloquium Soziologie.

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Lehre durch internationale Praxis – Exkursionen zu internationalen Gerichtshöfen

05. April 2019 FB SozÖk

Von Dr. Felix Boor

Hamburg als Handelsstadt, aber auch als die deutsche Stadt, in der Hugo Grotius, der vielfach als „Vater des Völkerrechts“ bezeichnet wird, einige Jahre gelebt hat, hat eine traditionelle Affinität zum Internationalen Recht, das in vielen Bereichen der Universität gelehrt wird. Dies trifft nicht zuletzt auch auf den Fachbereich Sozialökonomie zu, der schon seit einigen Jahren Lehrveranstaltungen zu verschiedenen Facetten des internationalen Rechts anbietet, die von der Studierendenschaft sehr gut angenommen werden. Dennoch sind diese Veranstaltungen aufgrund ihrer teilweise hohen rechtlichen Komplexität keine Selbstläufer in der Lehre. Das Völkerrecht hat zwar den unbestretbaren Vorteil stets aktueller Bezüge und kann durch die Schilderung der historischen Fallkonstellationen lebendig gehalten werden. Dennoch bleibt die Gefahr bestehen, dass die Lehre aufgrund fehlender Bezugspunkte zum studentischen Alltag auf einem abstrakten und theoretischen Level verbleibt und damit der Zugang zum umfangreichen Stoff erschwert wird.

Gerade im Bereich des Völkerrechts hat Hamburg jedoch gleich mehrere praktische Bezüge zu bieten, die die Vorlesung erheblich aufwerten können. Zum einen hilft die Präsenz gleich mehrerer international renommierter Rechtsanwaltskanzleien, Praktikerinnen und Praktiker für Vorträge zu gewinnen, beispielsweise zu der stets der öffentlichen Kritik ausgesetzten Investitionsschiedsgerichtsbarkeit. Zum anderen ist Hamburg Sitz des Internationalen Seegerichtshofs und beheimatet damit einen der beiden zwischenstaatlichen Gerichtshöfe der Vereinten Nationen. Es gehört daher mittlerweile zum festen Programm der Völkerrechtsvorlesungen an der Sozialökonomie, Praktiker in diese Vorlesungen einzuladen bzw. den Seegerichtshof mit Studierenden zu besuchen und sich dessen Tätigkeit erläutern zu lassen.

Im Sommersemester 2017 und dem Wintersemester 2017/18 konnte der Fachbereich Sozialökonomie darüber hinaus insgesamt 35 Studierenden Exkursionen nach Den Haag zum Internatioanlen Gerichtshof und zum Internationalen Strafgerichtshof ermöglichen. Das Glück war der Gruppe hold und im Sommersemester konnte nicht nur ein Teil der Strafverhandlungen gegen den später mangels Beweisen freigesprochenen ehemaligen Präsidenten der Republik Côte d’Ivoire Laurent Gbagbo und gegen den kongolesischen Milizenführer Bosco Ntaganda vor dem Internatioanlen Strafgerichtshof verfolgt werden, sondern sogar das zwischenstaatliche Streitverfahren zwischen Costa Rica und Nicaragua über deren Seegrenze vor dem mit 15 Richtern besetzten Internationalen Gerichtshof beobachtet werden.

Beide Exkursionen haben einen nachhaltigen Eindruck bei den Teilnehmern/-innen hinterlassen. Nicht nur hat die Gruppe überdurchschnittlich erfolgreich die Abschlussklausur hinter sich bringen können, sondern viele der Teilnehmer/-innen haben sich sogar nach dem Bachelorabschluss internationalen Masterprogrammen im europäischen Ausland angeschlossen, teilweise sogar mit einem international-kriminologischen Schwerpunkt.

Felix Boor hat promoviert und ist als Postdoc im Bereich Rechtswissenschaften für die Sozialökonomie tätig

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Der Masterstudiengang M.Sc. Health Economics & Health Care Management

04. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Mathias Kifmann

Der Fachbereich Sozialökonomie bietet gemeinsam mit der Fakultät für Betriebswirtschaft den Studiengang M.Sc. Health Economics & Health Care Management an, der für Fach-und Führungsaufgaben im Gesundheitswesen hervorragend qualifiziert. Hier erwartet die Studierenden eine tiefgehende Methodenausbildung und die Möglichkeit zur Wahl eines individuellen Schwerpunktes, je nachdem, ob sie Ihre berufliche Zukunft eher in Unternehmen, in öffentlichen Körperschaften, in Ver­bänden oder Wirtschaftsforschungsinstituten sehen. Das Studium schafft zudem die Voraussetzung für wissenschaftliche Forschung, insbesondere im Rahmen einer Promotion.

Der Studiengang wird maßgeblich von den Mitgliedern des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) gestaltet.  Im HCHE wird die gesundheitsökonomische Expertise der Universität Hamburg  und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gebündelt. Es gehört zu den größ­ten gesundheitsökonomischen Zentren in Europa. Im Masterstudiengang bieten die Mitglieder des HCHE ein breites Fächerangebot an. Es bestehen hervorragende Kontakte zur Gesundheitswirtschaft und zu internationalen Universitäten.

Der Masterstudiengang richtet sich an Studierende mit Bachelorabschluss in Sozialökonomie (Schwerpunkte BWL und VWL), Wirtschaftswissenschaften, Gesundheitsökonomie und Wirtschaftsingenieurwesen sowie vergleichbarer Studiengänge. Veranstaltungen finden in deutscher und englischer Sprache statt.

Nähere Informationen finden Sie unter https://www.wiso.uni-hamburg.de/studienbuero-sozialoekonomie/studiengaenge/msc-hehcm.html

Mathias Kifmann ist Professor für VWL, insb. Ökonomik der Gesundheit und der Sozialen Sicherung. Er ist Programmdirektor des Masterstudiengangs „Health Economics & Health Care Management„.

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Forschungsreise entlang einer Schuhlieferkette nach China

03. April 2019 FB SozÖk

Von Stephanie Schrage, M.A.

In vielen produzierenden Ländern der Welt sind die Mindestlöhne auf einem Niveau unterhalb der Armutsgrenze festgelegt. Aus diesem Grund fordern Arbeitsrechtsorganisationen und andere Stakeholder westliche Unternehmen immer wieder auf, ArbeiterInnen in ihren Lieferketten einen existenzsichernden Lohn (Englisch: Living Wage) zu zahlen. Der Living Wage ist in Artikel 23(3) der Menschenrechte festgeschrieben. Viele westliche Marken und Einzelhändler haben sich daher freiwillig dazu verpflichtet, einen solchen existenzsichernden Lohn zu zahlen. In der Umsetzung der Zahlung stoßen sie jedoch auf Barrieren: Die ArbeiterInnen, die den erhöhten Lohn erhalten sollen, sind meist bei unabhängigen Lieferanten entlang intransparenter und langer Lieferketten beschäftigt, die rechtlich unabhängig von ihren westlichen Kunden sind. 

Wie können Marken und Einzelhändler nun dennoch Living Wages in ihren Lieferketten implementieren? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, machte ich mich im Rahmen meiner Doktorarbeit von 2017-2018 auf die Reise entlang einer Schuhlieferkette zwischen Deutschland und China. Ich begann mit Interviews bei einem großen deutschen Einzelhändler, der sich das Ziel auferlegt hatte, bis 2020 Maßnahmen einzuleiten, um Living Wages in seinen Lieferketten zu zahlen. Der Lieferkette folgend war meine nächste Station ein Importeur, der sowohl in Deutschland, als auch in Süd-China einen Sitz hatte. Ich begleitete Nachhaltigkeitsmanager des Importeurs zu vier Schuhfabriken, wo ich zahlreiche Interviews führte und teilnehmend beobachten konnte. Zwei der Fabriken waren Endfertiger, wo Schuhe genäht, geklebt und verpackt wurden. Zwei waren Materialzulieferer, die Kunstleder und Textillien als Sublieferanten herstellten. 

In Interviews mit Arbeitern und Arbeiterinnen, Fabrikmanagern, Einkäufern und Nachhaltigkeitsmanagern stellte sich heraus, dass das Problem in China ein ganz besonderes ist: Zwar erhalten alle ArbeiterInnen in den betrachteten Fabriken einen Mindestlohn, der auch knapp auf einem existenzsichernden Niveau ist, jedoch arbeiten sie dafür zehn bis zwölf Stunden am Tag, an sieben Tagen die Woche. Dieses immense Überstundenproblem gilt es demnach bei gleichbleibendem Lohnniveau zu adressieren. Zusammen mit den Unternehmen entlang der Lieferkette entwickelte ich Lösungsansätze. Diese beinhalteten verändertes Einkaufsverhalten der westlichen Kunden, Trainings und verstärkte Zusammenarbeit mit den Fabrikmanagern. In zwei Papers, die Teil meiner Doktorarbeit sind, verarbeite ich die gesammelten Daten wissenschaftlich und gebe Empfehlungen für Unternehmen und Nachhaltigkeitsmanager, ausgehend von meiner Fallstudie der Schuhindustrie.

Stephanie Schrage promoviert am Fachbereich Sozialökonomie in der BWL.

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Der Fachbereich Sozialökonomie heute

02. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Gabriele Löschper

Der Fachbereich Sozialökonomie ist der größte der drei Fachbereiche der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Aktuell forschen und lehren 38 Professorinnen und Professoren am Fachbereich, 3.300 Studierende studieren dort.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Sozialökonomie neu aufgestellt. Zum Beispiel wurden über 70% der Professorinnen und Professoren in den letzten 10 Jahren berufen und wurden drei der fünf Masterprogramme der Sozialökonomie neu eingerichtet oder neu ausgerichtet. 

Zum Bachelor Sozialökonomie werden jedes Jahr ca. 600 Studierende zugelassen, der Studiengang ist einer der größten der Universität Hamburg. Besonders macht denStudiengang auch, dass bis zu 40% der Studienplätze für Studierende ohne Abitur vorgesehen sind und dass seine Studieninhalte sehr interdisziplinär sind (BWL, Soziologie, VWL und Recht). 

Auch in den Masterstudiengängen der Sozialökonomie und in der Forschung wird viel Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt. 

Herausforderungen und Probleme richten sich nicht nach den Einteilungen der Wissenschaft. Gesellschaftliche Situationen und Veränderungen lassen sich schwerlich in Schubladen einordnen, sie sind z.B. nicht nur ein „soziales“ oder ein „wirtschaftliches“ Phänomen. Die Sozialökonomie setzt darauf, Grenzen der Wissenschaftsdisziplinen zu überwinden und die Gesellschaft, ihre Probleme und Entwicklungen aus verschiedenen fachlichen Blickrichtungen zu betrachten. Und das nicht „nur nebeneinander“, sondern in bewusster Verschränkung von Perspektiven, so dass die interdisziplinäre Betrachtung von Wirtschaft und Gesellschaft mehr ist als die Summe ihrerTeile. Das ist nicht einfach, aber eine lohnende Aufgabe, um einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten zu können. 

Der besondere Blick der Sozialökonomie auf Wirtschaft und Gesellschaft, der sie anders als die „klassischen“ Wirtschaftswissenschaften macht, profitiert auch von der Vielfalt der Studierenden und der von ihnen in das Studium bei uns mitgebrachten und in die Forschung getragenen Fragen.

Die sozialökonomischen Studienprogramme sollen nicht „nur“ ein Ausbildungs-, sondern ein Bildungsangebot sein, das es unseren Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, eine verantwortungsvolle Rolle als Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Gesellschaft zu übernehmen. 

Zur Sozialökonomie gehört für mich eine fortwährende Veränderungsbereitschaft. Die spürbare Aufbruchsstimmung, die hohen Ansprüche an Forschung und Lehre und die Reflexion der gesellschaftlichen Verantwortung in der Sozialökonomie sind für mich als Dekanin wichtige Gründe, warum ich mich jeden Tag gerne für die Weiterentwicklung der Sozialökonomie einsetze.

Prof. Dr.Gabriele Löschper ist Dekanin der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, zu der – neben dem Fachbereich Sozialökonomie – die Fachbereiche Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre gehören.

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