Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Lehre durch internationale Praxis – Exkursionen zu internationalen Gerichtshöfen

05. April 2019 FB SozÖk

Von Dr. Felix Boor

Hamburg als Handelsstadt, aber auch als die deutsche Stadt, in der Hugo Grotius, der vielfach als „Vater des Völkerrechts“ bezeichnet wird, einige Jahre gelebt hat, hat eine traditionelle Affinität zum Internationalen Recht, das in vielen Bereichen der Universität gelehrt wird. Dies trifft nicht zuletzt auch auf den Fachbereich Sozialökonomie zu, der schon seit einigen Jahren Lehrveranstaltungen zu verschiedenen Facetten des internationalen Rechts anbietet, die von der Studierendenschaft sehr gut angenommen werden. Dennoch sind diese Veranstaltungen aufgrund ihrer teilweise hohen rechtlichen Komplexität keine Selbstläufer in der Lehre. Das Völkerrecht hat zwar den unbestretbaren Vorteil stets aktueller Bezüge und kann durch die Schilderung der historischen Fallkonstellationen lebendig gehalten werden. Dennoch bleibt die Gefahr bestehen, dass die Lehre aufgrund fehlender Bezugspunkte zum studentischen Alltag auf einem abstrakten und theoretischen Level verbleibt und damit der Zugang zum umfangreichen Stoff erschwert wird.

Gerade im Bereich des Völkerrechts hat Hamburg jedoch gleich mehrere praktische Bezüge zu bieten, die die Vorlesung erheblich aufwerten können. Zum einen hilft die Präsenz gleich mehrerer international renommierter Rechtsanwaltskanzleien, Praktikerinnen und Praktiker für Vorträge zu gewinnen, beispielsweise zu der stets der öffentlichen Kritik ausgesetzten Investitionsschiedsgerichtsbarkeit. Zum anderen ist Hamburg Sitz des Internationalen Seegerichtshofs und beheimatet damit einen der beiden zwischenstaatlichen Gerichtshöfe der Vereinten Nationen. Es gehört daher mittlerweile zum festen Programm der Völkerrechtsvorlesungen an der Sozialökonomie, Praktiker in diese Vorlesungen einzuladen bzw. den Seegerichtshof mit Studierenden zu besuchen und sich dessen Tätigkeit erläutern zu lassen.

Im Sommersemester 2017 und dem Wintersemester 2017/18 konnte der Fachbereich Sozialökonomie darüber hinaus insgesamt 35 Studierenden Exkursionen nach Den Haag zum Internatioanlen Gerichtshof und zum Internationalen Strafgerichtshof ermöglichen. Das Glück war der Gruppe hold und im Sommersemester konnte nicht nur ein Teil der Strafverhandlungen gegen den später mangels Beweisen freigesprochenen ehemaligen Präsidenten der Republik Côte d’Ivoire Laurent Gbagbo und gegen den kongolesischen Milizenführer Bosco Ntaganda vor dem Internatioanlen Strafgerichtshof verfolgt werden, sondern sogar das zwischenstaatliche Streitverfahren zwischen Costa Rica und Nicaragua über deren Seegrenze vor dem mit 15 Richtern besetzten Internationalen Gerichtshof beobachtet werden.

Beide Exkursionen haben einen nachhaltigen Eindruck bei den Teilnehmern/-innen hinterlassen. Nicht nur hat die Gruppe überdurchschnittlich erfolgreich die Abschlussklausur hinter sich bringen können, sondern viele der Teilnehmer/-innen haben sich sogar nach dem Bachelorabschluss internationalen Masterprogrammen im europäischen Ausland angeschlossen, teilweise sogar mit einem international-kriminologischen Schwerpunkt.

Felix Boor hat promoviert und ist als Postdoc im Bereich Rechtswissenschaften für die Sozialökonomie tätig

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Der Masterstudiengang M.Sc. Health Economics & Health Care Management

04. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Mathias Kifmann

Der Fachbereich Sozialökonomie bietet gemeinsam mit der Fakultät für Betriebswirtschaft den Studiengang M.Sc. Health Economics & Health Care Management an, der für Fach-und Führungsaufgaben im Gesundheitswesen hervorragend qualifiziert. Hier erwartet die Studierenden eine tiefgehende Methodenausbildung und die Möglichkeit zur Wahl eines individuellen Schwerpunktes, je nachdem, ob sie Ihre berufliche Zukunft eher in Unternehmen, in öffentlichen Körperschaften, in Ver­bänden oder Wirtschaftsforschungsinstituten sehen. Das Studium schafft zudem die Voraussetzung für wissenschaftliche Forschung, insbesondere im Rahmen einer Promotion.

Der Studiengang wird maßgeblich von den Mitgliedern des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) gestaltet.  Im HCHE wird die gesundheitsökonomische Expertise der Universität Hamburg  und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gebündelt. Es gehört zu den größ­ten gesundheitsökonomischen Zentren in Europa. Im Masterstudiengang bieten die Mitglieder des HCHE ein breites Fächerangebot an. Es bestehen hervorragende Kontakte zur Gesundheitswirtschaft und zu internationalen Universitäten.

Der Masterstudiengang richtet sich an Studierende mit Bachelorabschluss in Sozialökonomie (Schwerpunkte BWL und VWL), Wirtschaftswissenschaften, Gesundheitsökonomie und Wirtschaftsingenieurwesen sowie vergleichbarer Studiengänge. Veranstaltungen finden in deutscher und englischer Sprache statt.

Nähere Informationen finden Sie unter https://www.wiso.uni-hamburg.de/studienbuero-sozialoekonomie/studiengaenge/msc-hehcm.html

Mathias Kifmann ist Professor für VWL, insb. Ökonomik der Gesundheit und der Sozialen Sicherung. Er ist Programmdirektor des Masterstudiengangs „Health Economics & Health Care Management„.

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Forschungsreise entlang einer Schuhlieferkette nach China

03. April 2019 FB SozÖk

Von Stephanie Schrage, M.A.

In vielen produzierenden Ländern der Welt sind die Mindestlöhne auf einem Niveau unterhalb der Armutsgrenze festgelegt. Aus diesem Grund fordern Arbeitsrechtsorganisationen und andere Stakeholder westliche Unternehmen immer wieder auf, ArbeiterInnen in ihren Lieferketten einen existenzsichernden Lohn (Englisch: Living Wage) zu zahlen. Der Living Wage ist in Artikel 23(3) der Menschenrechte festgeschrieben. Viele westliche Marken und Einzelhändler haben sich daher freiwillig dazu verpflichtet, einen solchen existenzsichernden Lohn zu zahlen. In der Umsetzung der Zahlung stoßen sie jedoch auf Barrieren: Die ArbeiterInnen, die den erhöhten Lohn erhalten sollen, sind meist bei unabhängigen Lieferanten entlang intransparenter und langer Lieferketten beschäftigt, die rechtlich unabhängig von ihren westlichen Kunden sind. 

Wie können Marken und Einzelhändler nun dennoch Living Wages in ihren Lieferketten implementieren? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, machte ich mich im Rahmen meiner Doktorarbeit von 2017-2018 auf die Reise entlang einer Schuhlieferkette zwischen Deutschland und China. Ich begann mit Interviews bei einem großen deutschen Einzelhändler, der sich das Ziel auferlegt hatte, bis 2020 Maßnahmen einzuleiten, um Living Wages in seinen Lieferketten zu zahlen. Der Lieferkette folgend war meine nächste Station ein Importeur, der sowohl in Deutschland, als auch in Süd-China einen Sitz hatte. Ich begleitete Nachhaltigkeitsmanager des Importeurs zu vier Schuhfabriken, wo ich zahlreiche Interviews führte und teilnehmend beobachten konnte. Zwei der Fabriken waren Endfertiger, wo Schuhe genäht, geklebt und verpackt wurden. Zwei waren Materialzulieferer, die Kunstleder und Textillien als Sublieferanten herstellten. 

In Interviews mit Arbeitern und Arbeiterinnen, Fabrikmanagern, Einkäufern und Nachhaltigkeitsmanagern stellte sich heraus, dass das Problem in China ein ganz besonderes ist: Zwar erhalten alle ArbeiterInnen in den betrachteten Fabriken einen Mindestlohn, der auch knapp auf einem existenzsichernden Niveau ist, jedoch arbeiten sie dafür zehn bis zwölf Stunden am Tag, an sieben Tagen die Woche. Dieses immense Überstundenproblem gilt es demnach bei gleichbleibendem Lohnniveau zu adressieren. Zusammen mit den Unternehmen entlang der Lieferkette entwickelte ich Lösungsansätze. Diese beinhalteten verändertes Einkaufsverhalten der westlichen Kunden, Trainings und verstärkte Zusammenarbeit mit den Fabrikmanagern. In zwei Papers, die Teil meiner Doktorarbeit sind, verarbeite ich die gesammelten Daten wissenschaftlich und gebe Empfehlungen für Unternehmen und Nachhaltigkeitsmanager, ausgehend von meiner Fallstudie der Schuhindustrie.

Stephanie Schrage promoviert am Fachbereich Sozialökonomie in der BWL.

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Der Fachbereich Sozialökonomie heute

02. April 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Gabriele Löschper

Der Fachbereich Sozialökonomie ist der größte der drei Fachbereiche der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Aktuell forschen und lehren 38 Professorinnen und Professoren am Fachbereich, 3.300 Studierende studieren dort.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Sozialökonomie neu aufgestellt. Zum Beispiel wurden über 70% der Professorinnen und Professoren in den letzten 10 Jahren berufen und wurden drei der fünf Masterprogramme der Sozialökonomie neu eingerichtet oder neu ausgerichtet. 

Zum Bachelor Sozialökonomie werden jedes Jahr ca. 600 Studierende zugelassen, der Studiengang ist einer der größten der Universität Hamburg. Besonders macht denStudiengang auch, dass bis zu 40% der Studienplätze für Studierende ohne Abitur vorgesehen sind und dass seine Studieninhalte sehr interdisziplinär sind (BWL, Soziologie, VWL und Recht). 

Auch in den Masterstudiengängen der Sozialökonomie und in der Forschung wird viel Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt. 

Herausforderungen und Probleme richten sich nicht nach den Einteilungen der Wissenschaft. Gesellschaftliche Situationen und Veränderungen lassen sich schwerlich in Schubladen einordnen, sie sind z.B. nicht nur ein „soziales“ oder ein „wirtschaftliches“ Phänomen. Die Sozialökonomie setzt darauf, Grenzen der Wissenschaftsdisziplinen zu überwinden und die Gesellschaft, ihre Probleme und Entwicklungen aus verschiedenen fachlichen Blickrichtungen zu betrachten. Und das nicht „nur nebeneinander“, sondern in bewusster Verschränkung von Perspektiven, so dass die interdisziplinäre Betrachtung von Wirtschaft und Gesellschaft mehr ist als die Summe ihrerTeile. Das ist nicht einfach, aber eine lohnende Aufgabe, um einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten zu können. 

Der besondere Blick der Sozialökonomie auf Wirtschaft und Gesellschaft, der sie anders als die „klassischen“ Wirtschaftswissenschaften macht, profitiert auch von der Vielfalt der Studierenden und der von ihnen in das Studium bei uns mitgebrachten und in die Forschung getragenen Fragen.

Die sozialökonomischen Studienprogramme sollen nicht „nur“ ein Ausbildungs-, sondern ein Bildungsangebot sein, das es unseren Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, eine verantwortungsvolle Rolle als Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Gesellschaft zu übernehmen. 

Zur Sozialökonomie gehört für mich eine fortwährende Veränderungsbereitschaft. Die spürbare Aufbruchsstimmung, die hohen Ansprüche an Forschung und Lehre und die Reflexion der gesellschaftlichen Verantwortung in der Sozialökonomie sind für mich als Dekanin wichtige Gründe, warum ich mich jeden Tag gerne für die Weiterentwicklung der Sozialökonomie einsetze.

Prof. Dr.Gabriele Löschper ist Dekanin der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, zu der – neben dem Fachbereich Sozialökonomie – die Fachbereiche Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre gehören.

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