Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

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Management von Verwaltungskosten in Nonprofit-Organisationen

27. November 2019 FB SozÖk

Von Peter Schubert und Silke Boenigk

Nonprofit-Organisationen sehen sich in der Öffentlichkeit regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, zu viele Mittel für ihre Verwaltung auszugeben. Verwaltungsausgaben umfassen sämtliche Ausgaben, die im Zusammenhang mit den betrieblichen Grundfunktionen entstehen, wie z.B. der allgemeinen Infrastruktur, der Personalverwaltung, den Leitungsgremien oder der Mittelbeschaffung. Ihnen gegenüber stehen im Kontext von Nonprofit-Organisationen die Programmausgaben, jene Ausgaben mit einem direkten Bezug zu den gemeinnützigen Zwecken. 

Die Festlegung und Kommunikation von Verwaltungsausgaben stellt das Management von Nonprofit-Organisationen vor ein Spannungsfeld. Einerseits weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass geringe Verwaltungsausgaben einen wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spendenmarkt darstellen. So zeigen empirische Studien zu Privatspendern als auch zu institutionellen Geldgebern die vorherrschende Wahrnehmung, dass geringe Verwaltungsausgaben eine effiziente und vertrauensvolle Mittelverwendung signalisieren. Andererseits können geringe Verwaltungsausgaben dazu führen, dass wichtige Investitionen in die organisationale Infrastruktur – z.B. in qualifiziertes Personal, Informationstechnologien oder Fundraising-Aktivitäten – nicht getätigt werden und folglich die Effektivität bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen beeinträchtigt ist.

In diesem Forschungsprojekt befassen wir uns mit dieser Thematik aus einer Organisationsperspektive. Wir beleuchten dabei u.a. die Kostenentwicklung spendensammelnder Organisationen im Zeitverlauf sowie die Auswirkung externen und internen Drucks auf Kostenentscheidungen von Finanzmanagern. Zuletzt untersuchen wir auch die von Finanzmanagern wahrgenommenen Investitionslücken in der administrativen Infrastruktur und ihre Effekte auf die Effektivität von Organisationen.

Publikationen:
Schubert, P. & Boenigk, S. (2019): The Nonprofit Starvation Cycle: Empirical Evidence from a German Context. Nonprofit and Voluntary Sector Quarterly, 48(3), 467-491. DOI: 10.1177/0899764018824669

Projektdaten:

  • Dauer: seit 2017
  • Drittmittelgeber: –

Silke Boenigk ist Professorin für BWL, insb. Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen. Peter Schubert arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur.

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„Welten“ sozial-ökologischer Wohlfahrt

26. November 2019 FB SozÖk

von: Prof. Dr. Katharina Zimmermann

Wie hängen Sozialstaat und ökologische Fragen zusammen? Dieser Frage widmen wir uns aus der Perspektive der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung. In diesem Forschungsfeld werden Länder seit nun fast 30 Jahren (seit dem 1990 erschienenen Werk „Three Worlds of Welfare Capitalisms“ von Esping-Andersen) in verschiedene Regime unterteilt, in denen spezifische Konstellationen von politischen Ideologien, wirtschaftlichen Produktionsformen oder Moralvorstellungen in den Zusammenhang mit bestimmten sozialstaatlichen Institutionen oder sozialstrukturellen Verteilungen gebracht werden. Im Bereich der Forschung zu Umweltpolitik werden ebenfalls bestimmte Gruppen von Ländern diskutiert, die spezifische Charakteristika beispielweise in Bezug auf die Verteilung von ökologischen Ressourcen oder umweltpolitische Regulierung aufweisen (z.B. Duit 2016).

Da wir davon ausgehen, dass soziale und ökologische Themen in vielerlei Hinsicht miteinander verquickt sind – so zum Beispiel in Form von Zielkonflikten bei wirtschaftlicher Produktion oder im Rahmen von sozialer Benachteiligung, die oft auch mit umweltbezogener Benachteiligung einhergeht – stellen wir uns die Frage, ob sich auch verschiedene Gruppen von Ländern identifizieren lassen, die jeweils durch ganz spezifische Zusammenhänge zwischen Sozial- und Umweltpolitik (bzw. entsprechenden Strukturen und Institutionen) charakterisiert werden. Dazu führen wir zum einen eine Clusteranalyse durch, die auf Basis von Daten zur Performance europäischer Länder im sozialen und ökologischen Bereich bestimmte Ländergruppen identifizieren soll. Zum anderen werden wir in den nächsten Jahren qualitative Untersuchungen in fünf europäischen Ländern durchführen, um die Mechanismen hinter den Verbindungen von sozialen und ökologischen Themen besser zu verstehen. Das Projekt wird von Katharina Zimmermann (Juniorprofessur Soziologie wirtschaftlichen Handelns) in Kooperation mit Paolo R. Graziano von der Universität Padua (Italien) durchgeführt.

Katharina Zimmermann ist seit Juni 2019 Juniorprofessorin für Soziologie, insbesondere Soziologie wirtschaftlichen Handelns. Ihr Forschungsinteresse gilt u.a. der vergleichenden Arbeitsmarkt- und der Wohlfahrtsstaatsforschung, der EU Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Einstellungen zum Wohlfahrtsstaat.

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Blutspendemanagement (DRK-Forschungskooperation)

25. November 2019 FB SozÖk

von: Silke Boenigk und Meikel Soliman

Blutspendeorganisationen stehen täglich vor der Herausforderung, die Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend Blutprodukten sicherzustellen. Freiwillige Blutspenden sind nach wie vor die einzige Möglichkeit, den steigenden Bedarf an Blut zu decken. Vor diesem Hintergrund wurde im September 2010 die Forschungskooperation Gesundheitsmarketing zwischen dem DRK-Blutspendedienst Nord-Ost und den Professuren von Prof. Dr. Silke Boenigk und Prof. Dr. Michel Clement der Universität Hamburg initiiert. Diese konzentriert sich schwerpunktmäßig auf drei Themenfelder: „Gesellschaft und Blutspenden“, „Menschen und Blutspenden“ und „Blutspendemarketing“.

Um sich diesen Themenfeldern zu nähern, wird auf das Donor Relationship Management (DRM) zurückgegriffen. Das DRM beschäftigt sich in erster Linie mit der Beziehung der Blutspendeorganisation zu seinen Spendenden. Diese Beziehung wird in den drei Phasen des Spenderlebenszyklus betrachtet, der Gewinnung, Bindung und Rückgewinnung von Spendenden. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse der Spendenforschung sollen neue Strategien und Maßnahmen für den DRK-Blutspendedienst Nord-Ost abgeleitet werden.

Publikationen (Auswahl):

  • Soliman, M. & Boenigk, S. (2019). Individual Life Events and Blood Giving. Journal of Consumer Marketing, 36(7), 926-938. DOI: 10.1108/JCM-02-2018-2588
  • Sundermann, L. M. & Leipnitz, S. (2018). Catch Them If You Can: The Effect of Reminder Direct Mailings on the Return Rate of First-Time Donors. Journal of Nonprofit & Public Sector Marketing, 31(1), 42-60. DOI: 10.1080/10495142.2018.1526733
  • Studte, S., Clement, M., Soliman, M., & Boenigk, S. (2019). Blood donors and their changing engagement in other prosocial behaviors. Transfusion, 95(3), 1002-1015.  DOI: 10.1111/trf.15085
  • Sundermann, L. M. (2017). Share experiences: receiving word of mouth and its effect on relationships with donors. Journal of Services Marketing, 32(3), 322-333. DOI: 10.1108/JSM-08-2016-0319
  • Sundermann, L. M., Boenigk, S. & Willems J. (2017). Under blood pressure – differentiated versus undifferentiated marketing to increase blood donations. International Review on Public and Nonprofit Marketing, 14(3), 321-340. DOI: 10.1007/s12208-017-0174-2
  • Sundermann, L. M., deKort, W. L. & Boenigk, S. (2017). The ‘Donor of the Future Project’ — first results and further research domains. Vox Sanguinis, 112(3), 191-200. DOI: 10.1111/vox.12484

Projektangaben:

  • Dauer: seit 2010
  • Drittmittelgeber: DRK-Blutspendedienst Nord-Ost gGmbH

Silke Boenigk ist Professorin für BWL, insb. Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen. Meikel Soliman arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur.

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Sommerpause

05. September 2019 FB SozÖk

Leider hat die Sommerpause die täglichen Schlaglichter verlangsamt. Wenn Sie weitere Schlaglichter für den Blog beisteuern wollen, wenden Sie sich bitte gern an die Geschäftsstelle.

Crowdwork und gesellschaftliche Teilhabe: ein widersprüchliches Verhältnis?

25. Juli 2019 FB SozÖk

Von Daniela Rastetter, Wolfgang Menz, Florian Schramm, Iris Nowak und Wiebke Frieß

Neue digitale Technologien verändern Arbeitsprozesse, berufliche Tätigkeitsfelder und vorherrschende Lebensweisen. Als eine Organisationsform digitaler Arbeitsmärkte etabliert sich gegenwärtig Crowdwork.

In dem vom BMAS für drei Jahre (April 2019 – März 2022) geförderten Forschungsprojekt „Teilhabe durch Crowdworking: Eine Analyse der Gelingensbedingungen einer Innovation für Personengruppen mit erschwerter Teilhabe am Erwerbsleben“ fragen wir danach, welche neuen Handlungsmöglichkeiten mit dieser Art der digitalen Arbeit verbunden sind oder sein können. Zwar weisen bisherige Studien auf diverse Risiken dieser Arbeitsform hin. Beispielsweise ist das erzielte Einkommen häufig gering und arbeitsrechtliche Standards fehlen genauso wie soziale Absicherung. Ausgehend von solchen Erkenntnissen wollen wir dennoch den Fokus darauf richten, inwiefern Crowdwork Potenziale beinhaltet, die – bei einer entsprechenden politischen und ökonomischen Gestaltung – unterschiedlichen Beschäftigtengruppen einen weiteren Zugang zu Erwerbsarbeit bieten können.

Vor diesem Hintergrund fragen wir danach, inwieweit die Zeit- und Ortsunabhängigkeit von Crowdwork Menschen entgegenkommt, die nicht oder nur erschwert am klassischen Arbeitsmarkt partizipieren können. Uns interessiert, inwiefern Crowdwork die Teilhabechancen in den Arbeitsmarkt beispielsweise von Menschen mit Behinderung, von Menschen mit Sorgeverpflichtungen im Privaten oder von Menschen, die in ländlichen strukturschwachen Regionen leben, erhöht. Sofern für weitere Personengruppen, die bisher noch nicht im Fokus der Forschung sind, gewachsene Teilhabechancen deutlich werden, sollen auch diese aufgezeigt werden.

Folgende Forschungsfragen bearbeiten wir in dem Projekt:

  • Welche Teilhabechancen kann Crowdworking für Personen mit erschwerter Partizipation am Erwerbsleben bieten?
  • Welche Risiken und neuen Ungleichheitsformen können entstehen?
  • Wie ist die Qualität der entstehenden Arbeitsverhältnisse zu bewerten?
  • Unter welchen konkreten Bedingungen können diese Gruppen mit Crowdworking ihre Teilhabe verbessern und gut gestalten?

Unser Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, wie Crowdwork so gestaltet werden kann, dass die Inklusion unterschiedlicher sozialer Gruppen gestärkt wird und hierbei gute Arbeitsbedingungen hervorgebracht werden. Wir entwerfen Maßnahmen, mit denen Plattformbetreiber und Auftragsunternehmen für die Frage nach Teilhabe der verschiedenen Gruppen sensibilisiert werden. Hierfür bilden wir ein Netzwerk, in dem ganz unterschiedliche Akteur*innen aus Theorie und Praxis – wie Crowdworker*innen, Plattformverantwortliche, Interessensverbände und andere Forschungskontexte – diese Fragen diskutieren.

Das Projekt wird gemeinsam von Prof. Dr. Daniela Rastetter, Prof. Dr. Wolfgang Menz und Prof. Dr. Florian Schramm durchgeführt. Iris Nowak und Wiebkje Frieß werden in dem Projekt arbeiten.

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Lehre in der Statistik – Eine Liebeserklärung an den offenen Hochschulzugang

23. Juli 2019 FB SozÖk

Von Dr. Kristin Paetz

Statistische Grundlagen zu erlernen ist mühsam, aber wichtig, insbesondere in der Sozialökonomie. Die einzelnen Disziplinen VWL, BWL, Soziologie und Rechtswissenschaft zeichnen sich durch die Konkurrenz verschiedener Theorien aus, die weder eindeutig bewiesen noch falsifiziert werden können, wie es in den Naturwissenschaften die Regel ist. Eine Sozialwissenschaft ist stattdessen darauf angewiesen, dass sich im wissenschaftlichen Diskurs eine Mehrheitsmeinung bildet. Die Orientierung an empirischen Fakten und ihre praxisbezogene Analyse ist daher konstitutiv und ein Herzstück des Erkenntnisgewinns in der Sozialökonomie.

Ich freue mich sehr, in meinen Statistik-Vorlesungen die notwendigen Grundlagen hierfür vermitteln zu dürfen, insbesondere bei unserer besonderen Studierendenschaft. Bis zu 40% der Studienplätze sind für Studierende ohne Abitur vorgesehen. Diese Studierenden bringen stattdessen häufig eine Ausbildung und/oder Berufserfahrung mit. Aufgrund ihrer fundierten Praxis- und Lebenserfahrung haben sie ein großes inhaltliches Interesse. Die Zusammensetzung der gesamten Studierendenschaft ist äußerst heterogen; dies betrifft die mathematische Fähigkeiten, aber auch das Interesse und die Vorkenntnisse der vier genannten Disziplinen.

Studierende aber auch Lehrende profitieren enorm von dieser Heterogenität. Die Studierenden sind größtenteils politisch interessiert, intrinsisch motiviert und ausgesprochen kritisch. Genau diese Eigenschaften wünscht man sich als Lehrende. Statistische Kennzahlen und Forschungsergebnisse werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und mit unterschiedlicher Lebenserfahrung interpretiert. So kann auch ein vermeintlich trockenes Fach wie Statistik plötzlich praxisrelevant und spannend werden. Im Austausch unterstützen die Leistungsstärkeren die Leistungsschwächeren, wobei diese Rollen bei unterschiedlichen Fragestellungen häufig wechseln.

Die Lehre in der Sozialökonomie ist besonders herausfordernd, aber auch ungemein bereichernd. Die Studierenden geben nämlich kontinuierliches Feedback. Nach einer gelungenen Vorlesung wird einem nicht selten persönlich gedankt, eine Anerkennung, die in der Lehre sonst nur sehr selten zu finden ist. Aber ebenso wird nicht mit Kritik gespart, wenn diese angebracht ist, wodurch die Dozierenden sich und ihre Lehre hinterfragen und weiterentwickeln können. Von diesem Austausch profitieren beide Gruppen gleichermaßen, Studierende wie auch Lehrende.

Dr. Kristin Paetz am 20. Juni 2019 für ihr überzeugenden didaktischen Konzept der Veranstaltung „Statistik“ von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank mit dem Hamburger Lehrpreis ausgezeichnet worden. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin zur Lehre in der VWL der Sozialökonomie.

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Erfahrungen aus dem B.A. Studium der Sozialökonomie im Fachgebiet BWL

18. Juli 2019 FB SozÖk

Von Jonas Heier

Das Studium der Sozialökonomie war eine besondere Erfahrung. In den ersten beiden Semestern wird den Studierenden ein allgemeines Verständnis über die Hauptdisziplinen Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und Recht vermittelt. Somit verfügte man nach Beendigung des Grundstudiums über eine valide Entscheidungsgrundlage für die Schwerpunktwahl im weiterführenden Studium. Meine Entscheidung fiel auf das Schwerpunktfach Betriebswirtschaftslehre.

Im Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre werden im Hauptstudium durch Kurse wie Bilanzierung, Kostentheorie, Marketing und Finanzierung & Investitionen I (3. – 4. Semester) die Grundlagen für ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis geschaffen. Hierbei ergeben sich nützliche Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Kursen des Hauptstudiums. Folglich erwies sich das erlernte Wissen aus den Kursen Kostentheorie oder auch Bilanzierung als hilfreiches Mittel um ein tiefgehendes Verständnis der Inhalte aus dem Kurs Finanzierung & Investitionen I zu erlangen. Gleichzeitig stellten vertiefende Pflichtveranstaltungen in den Bereichen Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Recht sicher, dass das „Big Picture“ nicht verloren geht und ermöglichten es mir die Betriebswirtschaftslehre im gesellschaftlichen und interdisziplinären Kontext zu betrachten.

Ein persönliches Highlight meines Studiums war das Auslandssemester in China, an der East China Normal University (ECNU) in Shanghai. Über das Zentralaustauschprogramm der Universität erhielt ich die Möglichkeit verschiedene Kurse in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der ECNU zu absolvieren. Besonders spannend war es in eine völlig andere Kultur und Umgebung einzutauchen und gemeinsam mit Studierenden aus aller Welt zu studieren. Zusätzlich stellte der fallstudienbasierte Unterrichtsstil an der East China Normal University eine reizvolle Abwechslung zu den bekannten Lehrformen dar.

Nach meiner Rückkehr entschied ich mich für das Vertiefungsmodul Finanz- und Rechnungswesen. Die Kurse und Seminare im Vertiefungsmodul zeichnen sich in der Regel durch eine geringere Teilnehmeranzahl aus und sind somit interaktiver gestaltet. Hier galt es sich zwischen einer Vielzahl interessanter Kurse und Seminare zu entscheiden. Von „Corporate Governance“, „Alternative Finance Ecosystems“ bis hin zur Bewertung realer DAX-Unternehmen wird eine breite Palette an spannenden Vertiefungsseminaren geboten. Insbesondere aufgrund der praxisorientierten Gestaltung der Seminare bot das Vertiefungsmodul für mich einen großen Mehrwert.

Alles in allem war das Studium der Sozialökonomie (B.A.) eine sehr bereichernde Erfahrung. Neben interessanten KommilitonInnen, inspirierenden DozentInnen sowie ProfessorInnen ist es vor allem die Interdisziplinarität, die diesen Studiengang auszeichnet. Das Studium der Sozialökonomie rüstet Studierende mit dem in unserer globalisierten und schnelllebigen Gesellschaft notwendigen Weitblick und Wissen aus, um bevorstehende berufliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Jonas Heier ist Student des Bachelors Sozialökonomie im Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre.

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Studentisches Projekt „Impulse aus dem Projektstudiums-Konzept an der HWP für die Zukunft“

17. Juli 2019 FB SozÖk

Vom Fachschaftsrat Sozialökonomie

Das studentische Projekt „Impulse aus dem Projektstudiums-Konzept an der HWP für die Zukunft“, welches im Rahmen der Projektförderung im Zuge des 100-jährigen Jubiläums der Universität Hamburg entstanden ist, wird von einer studentischen Arbeitsgruppe im Umfeld des Fachschaftsrats Sozialökonomie durchgeführt.  

Das Ziel des Projekts ist es, die Theorie und Praxis von Projektstudien an der Vorgängerinstitution des Fachbereichs Sozialökonomie, der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) aufzuarbeiten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen für die Gegenwart und die Zukunft, insbesondere für aktuelle Studienreformdiskussionen an der Universität Hamburg, fruchtbar gemacht werden.  

Das Projektstudium an der HWP wurde im Rahmen einer Studienreform 1984 als Herzstück des sozialökonomischen Studiengangs (Diplom II) eingeführt und war als ein dreisemestriges, interdisziplinäres Forschungsprojekt angelegt. Die Studierenden untersuchten in enger Zusammenarbeit mit außerwissenschaftlichen Akteur*innen, wie beispielsweise Gewerkschaften, „epochaltypische Schlüsselprobleme“. Mit einem sozialökonomischen Verständnis von Interdisziplinarität, Praxisrelevanz und Exemplarität, ging es beim Projektstudium darum, sich mit „zentralen Problemen der gemeinsamen Gegenwart und der voraussehbaren Zukunft [zu beschäftigen], Einsicht in die Mitverantwortlichkeit aller angesichts solcher Probleme [herzustellen] und [die] Bereitschaft, sich ihnen zu stellen und am Bemühen um ihre Bewältigung [teilzunehmen]“ (Klafki, „Konturen eines neuen Allgemeinbildungskonzepts“, 1985). 

Realisierte Projekte waren beispielsweise „Regionale Beschäftigungspolitik am Beispiel des Hamburger Hafens“, „Zusammenhänge zwischen Arbeits- und Wohnqualität am Beispiel Hamburg“ und „Friedensbedrohung und Konfliktpotential in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen zwischen BRD und Dritter Welt“.   

Wie in den anderen Projekten, die im Rahmen des Unijubiläums gefördert werden, geht es darum, die Geschichte der Universität Hamburg aufzuarbeiten. In diesem Fall liegt der Fokus auf der HWP und der gesellschaftlichen Relevanz der Projektstudien und der damit verknüpften Relevanz des Studiengangs zu der Zeit. Insbesondere die wissenschaftliche Kooperation mit außerwissenschaftlichen Akteur*innen zur reflektierten gesellschaftspolitischen Gestaltung zeigt die gesellschaftliche Relevanz von Hochschulen zur Lösung gesellschaftlicher Schlüsselprobleme auf und bildet damit einen Impuls für die Verwissenschaftlichung von Politik und die Politisierung von Wissenschaft.  

Für die Aufarbeitung der Projektstudienzusammenhänge beschäftigt sich die studentische Arbeitsgruppe anhand von allgemeinen Dokumentationen, Forschungsberichten der einzelnen Projekte und durch Expert*innen-Interviews mit ehemaligen Lehrenden und Studierenden mit der Entstehung und Entwicklung des Projektstudiums. Neben einer chronologischen Darstellung werden so die Hintergründe, Ziele, inhaltlichen Schwerpunkte und Konflikte in der Umsetzung des Projektstudiums an der HWP herausgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden bei einer Fachtagung am 16. November 2019 und eventuell im Rahmen eines Dokumentationsbandes präsentiert. Dies soll jedoch nicht als Abschluss des Projekts gelten, sondern als Startmoment für weitergehende Überlegungen, wie die präsentierten Ergebnisse hinsichtlich praxisrelevantem, gesellschaftlich eingreifendem und forschendem Lehren und Lernen für aktuelle Studienreformen sinnvoll genutzt werden können.

Im Fachschaftsrat Sozialökonomie engagieren sich Studierende für die gemeinsame Gestaltung und Weiterentwicklung des Fachbereichs.

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Poster rund um das Thema „(Meta-)Analysen: Arbeitszeit und Beschäftigung“

15. Juli 2019 FB SozÖk

Das heutige „Schlaglicht Sozialökonomie“ ist die Einladung, sich die Ergebnisse eines zweisemestrigen Masterkurses (Lernwerkstatt) anzuschauen. Ziel der Lernwerkstatt war es, arbeitsmarktpolitische Fragestellungen aus ökonomischer und soziologischer Perspektive zu betrachten und eine Fragestellung zu einem arbeitsmarktpolitischen Thema zu entwickeln. Diese galt es anschließend eigenständig empirisch zu bearbeiten. Die Ergebnisse haben die Studierenden auf Postern dargestellt. Es sind 12 schöne, aussagekräftige Poster rund um das Thema „(Meta-)Analysen: Arbeitszeit und Beschäftigung“ entstanden, die im Gebäude Von-Melle-Park 9 angesehen werden können. Die Poster sind im hinteren Gebäudebereich zu finden, wo sich die Seminarräume S29/S30 und die Poststelle befinden. Da nicht alle Poster gleichzeitig Raum finden, lohnt ein zweiter Blick: Es werden in den nächsten Wochen andere Poster des Kurses platziert.

Die Lernwerkstatt wurde angeboten von Dr. Frederike Esche und Prof. Dr. Miriam Beblo und fand im Rahmen des Masterstudiengangs „Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft – Ökonomische und Soziologische Studien“ statt.

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MASTER – Management ständiger Erreichbarkeit

12. Juli 2019 FB SozÖk

Von: Prof. Dr. Wolfgang Menz, Konstantin Krueger und Coco Klußmann

Im Zuge des Forschungsprojektes MASTER werden in Kooperation mit der Uni Freiburg die Formen, Auslöser und Auswirkungen ständiger Erreichbarkeit sowie individuelle Umgangsweisen damit untersucht. Für die qualitative Forschung wurden Arbeitnehmer_innen der IT-Dienstleistungsbranche, Finanzdienstleistungsbranche, des Gastgewerbes, sowie schulische Lehrkräfte mittels leitfadengestützter Interviews befragt.

Was aber bedeutet ständige Erreichbarkeit eigentlich? Ständige Erreichbarkeit im Allgemeinen meint die unregulierte Verfügbarkeit von Arbeitenden für Arbeitsbelange außerhalb der regulären Arbeitszeiten und außerhalb des regulären Arbeitsortes. Der Begriff der ständigen Erreichbarkeit kann zudem in Form von „erweiterten Erreichbarkeit“ oder „digitaler Konnektivität“ noch weiter differenziert werden. Hierbei ist die Richtung der Erreichbarkeit zu unterscheiden, d.h. die Frage, von welcher Lebensdomäne diese ausgeht. So können erweiterte Erreichbarkeit und digitale Konnektivität von der Privatsphäre aus in die Arbeit gerichtet sein, wie auch umgekehrt. In unserem Forschungsprojekt interessieren wir uns für erweiterte Erreichbarkeitsformen.

Durch die zunehmende Digitalisierung wird mit mobilen Devices und Messengerdiensten eine solche Erreichbarkeit immer einfacher. Für die Arbeitnehmer_innen wird es dabei schwieriger, im wahrsten Sinne des Wortes „abzuschalten“. Die bisherigen Ergebnisse zeigen unterschiedliche Auslöser arbeitsbezogener eweiterter Erreichbarkeit. Diese sind einerseits sachlich-funktionale Erreichbarkeitsnotwendigkeiten und soziale Erreichbarkeitskulturen, andererseits intrinsische Entlastungsstrategien sowie proaktive Erreichbarkeitsroutinen. Die persönlichen Leitbilder sowie der Umgang mit dem Thema Erreichbarkeit sind bei den Beschäftigten sehr individuell. Zudem wird die Erreichbarkeit von den Betroffenen besonders dann als psychisch belastend beschrieben, wenn dem persönlichen Leitbild durch die eingesetzten Handlungs- und Umgangsstrategien nicht entsprochen werden kann.

In manchen Branchen, wie etwa im Gastgewerbe, ist die Erreichbarkeit schon seit langer Zeit in der Berufskultur verankert und wird somit oftmals kaum kritisch reflektiert. Damit Beschäftigte sich besser schützen können, ist es wichtig ein Bewusstsein für das Thema und die Konsequenzen erweiterer arbeitsbezogener Erreichbarkeit zu entwickeln. Dies gilt sowohl für die Beschäftigten selbst als auch für Betriebe und Institutionen.

Für weitere Informationen besuchen Sie gerne unsere Homepage unter http://www.erreichbarkeit.eu/ (externer Link).

Wolgang Menz ist Professur für Soziologie, insb. Arbeit, Organisation und Innovation. Coco Klußmann und Konstantin Krüger arbeiten als Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in diesem Bereich.

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