Sozialökonomie an der Universität Hamburg in 100 Schlaglichtern

custom header picture

Lehre in der Statistik – Eine Liebeserklärung an den offenen Hochschulzugang

23. Juli 2019 FB SozÖk

Von Dr. Kristin Paetz

Statistische Grundlagen zu erlernen ist mühsam, aber wichtig, insbesondere in der Sozialökonomie. Die einzelnen Disziplinen VWL, BWL, Soziologie und Rechtswissenschaft zeichnen sich durch die Konkurrenz verschiedener Theorien aus, die weder eindeutig bewiesen noch falsifiziert werden können, wie es in den Naturwissenschaften die Regel ist. Eine Sozialwissenschaft ist stattdessen darauf angewiesen, dass sich im wissenschaftlichen Diskurs eine Mehrheitsmeinung bildet. Die Orientierung an empirischen Fakten und ihre praxisbezogene Analyse ist daher konstitutiv und ein Herzstück des Erkenntnisgewinns in der Sozialökonomie.

Ich freue mich sehr, in meinen Statistik-Vorlesungen die notwendigen Grundlagen hierfür vermitteln zu dürfen, insbesondere bei unserer besonderen Studierendenschaft. Bis zu 40% der Studienplätze sind für Studierende ohne Abitur vorgesehen. Diese Studierenden bringen stattdessen häufig eine Ausbildung und/oder Berufserfahrung mit. Aufgrund ihrer fundierten Praxis- und Lebenserfahrung haben sie ein großes inhaltliches Interesse. Die Zusammensetzung der gesamten Studierendenschaft ist äußerst heterogen; dies betrifft die mathematische Fähigkeiten, aber auch das Interesse und die Vorkenntnisse der vier genannten Disziplinen.

Studierende aber auch Lehrende profitieren enorm von dieser Heterogenität. Die Studierenden sind größtenteils politisch interessiert, intrinsisch motiviert und ausgesprochen kritisch. Genau diese Eigenschaften wünscht man sich als Lehrende. Statistische Kennzahlen und Forschungsergebnisse werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und mit unterschiedlicher Lebenserfahrung interpretiert. So kann auch ein vermeintlich trockenes Fach wie Statistik plötzlich praxisrelevant und spannend werden. Im Austausch unterstützen die Leistungsstärkeren die Leistungsschwächeren, wobei diese Rollen bei unterschiedlichen Fragestellungen häufig wechseln.

Die Lehre in der Sozialökonomie ist besonders herausfordernd, aber auch ungemein bereichernd. Die Studierenden geben nämlich kontinuierliches Feedback. Nach einer gelungenen Vorlesung wird einem nicht selten persönlich gedankt, eine Anerkennung, die in der Lehre sonst nur sehr selten zu finden ist. Aber ebenso wird nicht mit Kritik gespart, wenn diese angebracht ist, wodurch die Dozierenden sich und ihre Lehre hinterfragen und weiterentwickeln können. Von diesem Austausch profitieren beide Gruppen gleichermaßen, Studierende wie auch Lehrende.

Dr. Kristin Paetz am 20. Juni 2019 für ihr überzeugenden didaktischen Konzept der Veranstaltung „Statistik“ von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank mit dem Hamburger Lehrpreis ausgezeichnet worden. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin zur Lehre in der VWL der Sozialökonomie.

Schlagwörter


Erfahrungen aus dem B.A. Studium der Sozialökonomie im Fachgebiet BWL

18. Juli 2019 FB SozÖk

Von Jonas Heier

Das Studium der Sozialökonomie war eine besondere Erfahrung. In den ersten beiden Semestern wird den Studierenden ein allgemeines Verständnis über die Hauptdisziplinen Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und Recht vermittelt. Somit verfügte man nach Beendigung des Grundstudiums über eine valide Entscheidungsgrundlage für die Schwerpunktwahl im weiterführenden Studium. Meine Entscheidung fiel auf das Schwerpunktfach Betriebswirtschaftslehre.

Im Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre werden im Hauptstudium durch Kurse wie Bilanzierung, Kostentheorie, Marketing und Finanzierung & Investitionen I (3. – 4. Semester) die Grundlagen für ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis geschaffen. Hierbei ergeben sich nützliche Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Kursen des Hauptstudiums. Folglich erwies sich das erlernte Wissen aus den Kursen Kostentheorie oder auch Bilanzierung als hilfreiches Mittel um ein tiefgehendes Verständnis der Inhalte aus dem Kurs Finanzierung & Investitionen I zu erlangen. Gleichzeitig stellten vertiefende Pflichtveranstaltungen in den Bereichen Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Recht sicher, dass das „Big Picture“ nicht verloren geht und ermöglichten es mir die Betriebswirtschaftslehre im gesellschaftlichen und interdisziplinären Kontext zu betrachten.

Ein persönliches Highlight meines Studiums war das Auslandssemester in China, an der East China Normal University (ECNU) in Shanghai. Über das Zentralaustauschprogramm der Universität erhielt ich die Möglichkeit verschiedene Kurse in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der ECNU zu absolvieren. Besonders spannend war es in eine völlig andere Kultur und Umgebung einzutauchen und gemeinsam mit Studierenden aus aller Welt zu studieren. Zusätzlich stellte der fallstudienbasierte Unterrichtsstil an der East China Normal University eine reizvolle Abwechslung zu den bekannten Lehrformen dar.

Nach meiner Rückkehr entschied ich mich für das Vertiefungsmodul Finanz- und Rechnungswesen. Die Kurse und Seminare im Vertiefungsmodul zeichnen sich in der Regel durch eine geringere Teilnehmeranzahl aus und sind somit interaktiver gestaltet. Hier galt es sich zwischen einer Vielzahl interessanter Kurse und Seminare zu entscheiden. Von „Corporate Governance“, „Alternative Finance Ecosystems“ bis hin zur Bewertung realer DAX-Unternehmen wird eine breite Palette an spannenden Vertiefungsseminaren geboten. Insbesondere aufgrund der praxisorientierten Gestaltung der Seminare bot das Vertiefungsmodul für mich einen großen Mehrwert.

Alles in allem war das Studium der Sozialökonomie (B.A.) eine sehr bereichernde Erfahrung. Neben interessanten KommilitonInnen, inspirierenden DozentInnen sowie ProfessorInnen ist es vor allem die Interdisziplinarität, die diesen Studiengang auszeichnet. Das Studium der Sozialökonomie rüstet Studierende mit dem in unserer globalisierten und schnelllebigen Gesellschaft notwendigen Weitblick und Wissen aus, um bevorstehende berufliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Jonas Heier ist Student des Bachelors Sozialökonomie im Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre.

Schlagwörter


Studentisches Projekt „Impulse aus dem Projektstudiums-Konzept an der HWP für die Zukunft“

17. Juli 2019 FB SozÖk

Vom Fachschaftsrat Sozialökonomie

Das studentische Projekt „Impulse aus dem Projektstudiums-Konzept an der HWP für die Zukunft“, welches im Rahmen der Projektförderung im Zuge des 100-jährigen Jubiläums der Universität Hamburg entstanden ist, wird von einer studentischen Arbeitsgruppe im Umfeld des Fachschaftsrats Sozialökonomie durchgeführt.  

Das Ziel des Projekts ist es, die Theorie und Praxis von Projektstudien an der Vorgängerinstitution des Fachbereichs Sozialökonomie, der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) aufzuarbeiten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen für die Gegenwart und die Zukunft, insbesondere für aktuelle Studienreformdiskussionen an der Universität Hamburg, fruchtbar gemacht werden.  

Das Projektstudium an der HWP wurde im Rahmen einer Studienreform 1984 als Herzstück des sozialökonomischen Studiengangs (Diplom II) eingeführt und war als ein dreisemestriges, interdisziplinäres Forschungsprojekt angelegt. Die Studierenden untersuchten in enger Zusammenarbeit mit außerwissenschaftlichen Akteur*innen, wie beispielsweise Gewerkschaften, „epochaltypische Schlüsselprobleme“. Mit einem sozialökonomischen Verständnis von Interdisziplinarität, Praxisrelevanz und Exemplarität, ging es beim Projektstudium darum, sich mit „zentralen Problemen der gemeinsamen Gegenwart und der voraussehbaren Zukunft [zu beschäftigen], Einsicht in die Mitverantwortlichkeit aller angesichts solcher Probleme [herzustellen] und [die] Bereitschaft, sich ihnen zu stellen und am Bemühen um ihre Bewältigung [teilzunehmen]“ (Klafki, „Konturen eines neuen Allgemeinbildungskonzepts“, 1985). 

Realisierte Projekte waren beispielsweise „Regionale Beschäftigungspolitik am Beispiel des Hamburger Hafens“, „Zusammenhänge zwischen Arbeits- und Wohnqualität am Beispiel Hamburg“ und „Friedensbedrohung und Konfliktpotential in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen zwischen BRD und Dritter Welt“.   

Wie in den anderen Projekten, die im Rahmen des Unijubiläums gefördert werden, geht es darum, die Geschichte der Universität Hamburg aufzuarbeiten. In diesem Fall liegt der Fokus auf der HWP und der gesellschaftlichen Relevanz der Projektstudien und der damit verknüpften Relevanz des Studiengangs zu der Zeit. Insbesondere die wissenschaftliche Kooperation mit außerwissenschaftlichen Akteur*innen zur reflektierten gesellschaftspolitischen Gestaltung zeigt die gesellschaftliche Relevanz von Hochschulen zur Lösung gesellschaftlicher Schlüsselprobleme auf und bildet damit einen Impuls für die Verwissenschaftlichung von Politik und die Politisierung von Wissenschaft.  

Für die Aufarbeitung der Projektstudienzusammenhänge beschäftigt sich die studentische Arbeitsgruppe anhand von allgemeinen Dokumentationen, Forschungsberichten der einzelnen Projekte und durch Expert*innen-Interviews mit ehemaligen Lehrenden und Studierenden mit der Entstehung und Entwicklung des Projektstudiums. Neben einer chronologischen Darstellung werden so die Hintergründe, Ziele, inhaltlichen Schwerpunkte und Konflikte in der Umsetzung des Projektstudiums an der HWP herausgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden bei einer Fachtagung am 16. November 2019 und eventuell im Rahmen eines Dokumentationsbandes präsentiert. Dies soll jedoch nicht als Abschluss des Projekts gelten, sondern als Startmoment für weitergehende Überlegungen, wie die präsentierten Ergebnisse hinsichtlich praxisrelevantem, gesellschaftlich eingreifendem und forschendem Lehren und Lernen für aktuelle Studienreformen sinnvoll genutzt werden können.

Im Fachschaftsrat Sozialökonomie engagieren sich Studierende für die gemeinsame Gestaltung und Weiterentwicklung des Fachbereichs.

Schlagwörter


Poster rund um das Thema „(Meta-)Analysen: Arbeitszeit und Beschäftigung“

15. Juli 2019 FB SozÖk

Das heutige „Schlaglicht Sozialökonomie“ ist die Einladung, sich die Ergebnisse eines zweisemestrigen Masterkurses (Lernwerkstatt) anzuschauen. Ziel der Lernwerkstatt war es, arbeitsmarktpolitische Fragestellungen aus ökonomischer und soziologischer Perspektive zu betrachten und eine Fragestellung zu einem arbeitsmarktpolitischen Thema zu entwickeln. Diese galt es anschließend eigenständig empirisch zu bearbeiten. Die Ergebnisse haben die Studierenden auf Postern dargestellt. Es sind 12 schöne, aussagekräftige Poster rund um das Thema „(Meta-)Analysen: Arbeitszeit und Beschäftigung“ entstanden, die im Gebäude Von-Melle-Park 9 angesehen werden können. Die Poster sind im hinteren Gebäudebereich zu finden, wo sich die Seminarräume S29/S30 und die Poststelle befinden. Da nicht alle Poster gleichzeitig Raum finden, lohnt ein zweiter Blick: Es werden in den nächsten Wochen andere Poster des Kurses platziert.

Die Lernwerkstatt wurde angeboten von Dr. Frederike Esche und Prof. Dr. Miriam Beblo und fand im Rahmen des Masterstudiengangs „Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft – Ökonomische und Soziologische Studien“ statt.

Schlagwörter


MASTER – Management ständiger Erreichbarkeit

12. Juli 2019 FB SozÖk

Von: Prof. Dr. Wolfgang Menz, Konstantin Krueger und Coco Klußmann

Im Zuge des Forschungsprojektes MASTER werden in Kooperation mit der Uni Freiburg die Formen, Auslöser und Auswirkungen ständiger Erreichbarkeit sowie individuelle Umgangsweisen damit untersucht. Für die qualitative Forschung wurden Arbeitnehmer_innen der IT-Dienstleistungsbranche, Finanzdienstleistungsbranche, des Gastgewerbes, sowie schulische Lehrkräfte mittels leitfadengestützter Interviews befragt.

Was aber bedeutet ständige Erreichbarkeit eigentlich? Ständige Erreichbarkeit im Allgemeinen meint die unregulierte Verfügbarkeit von Arbeitenden für Arbeitsbelange außerhalb der regulären Arbeitszeiten und außerhalb des regulären Arbeitsortes. Der Begriff der ständigen Erreichbarkeit kann zudem in Form von „erweiterten Erreichbarkeit“ oder „digitaler Konnektivität“ noch weiter differenziert werden. Hierbei ist die Richtung der Erreichbarkeit zu unterscheiden, d.h. die Frage, von welcher Lebensdomäne diese ausgeht. So können erweiterte Erreichbarkeit und digitale Konnektivität von der Privatsphäre aus in die Arbeit gerichtet sein, wie auch umgekehrt. In unserem Forschungsprojekt interessieren wir uns für erweiterte Erreichbarkeitsformen.

Durch die zunehmende Digitalisierung wird mit mobilen Devices und Messengerdiensten eine solche Erreichbarkeit immer einfacher. Für die Arbeitnehmer_innen wird es dabei schwieriger, im wahrsten Sinne des Wortes „abzuschalten“. Die bisherigen Ergebnisse zeigen unterschiedliche Auslöser arbeitsbezogener eweiterter Erreichbarkeit. Diese sind einerseits sachlich-funktionale Erreichbarkeitsnotwendigkeiten und soziale Erreichbarkeitskulturen, andererseits intrinsische Entlastungsstrategien sowie proaktive Erreichbarkeitsroutinen. Die persönlichen Leitbilder sowie der Umgang mit dem Thema Erreichbarkeit sind bei den Beschäftigten sehr individuell. Zudem wird die Erreichbarkeit von den Betroffenen besonders dann als psychisch belastend beschrieben, wenn dem persönlichen Leitbild durch die eingesetzten Handlungs- und Umgangsstrategien nicht entsprochen werden kann.

In manchen Branchen, wie etwa im Gastgewerbe, ist die Erreichbarkeit schon seit langer Zeit in der Berufskultur verankert und wird somit oftmals kaum kritisch reflektiert. Damit Beschäftigte sich besser schützen können, ist es wichtig ein Bewusstsein für das Thema und die Konsequenzen erweiterer arbeitsbezogener Erreichbarkeit zu entwickeln. Dies gilt sowohl für die Beschäftigten selbst als auch für Betriebe und Institutionen.

Für weitere Informationen besuchen Sie gerne unsere Homepage unter http://www.erreichbarkeit.eu/ (externer Link).

Wolgang Menz ist Professur für Soziologie, insb. Arbeit, Organisation und Innovation. Coco Klußmann und Konstantin Krüger arbeiten als Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in diesem Bereich.

Schlagwörter


„…jede*r nur ein Kreuz…“

10. Juli 2019 FB SozÖk

Von Stephanie Zuber

Zum letzten Mal in diesem Semester tagt heute der Fachbereichsrat Sozialökonomie. Der Fachbereichsrat hat in vielen lehrbezogenen Fragen ein Vorschlagsrecht gegenüber dem Fakultätsrat bzw. dem Dekanat und er ist somit das zentrale Gremium des Fachbereichs. Die Aufgaben des Fachbereichsrates sind in der Grundordnung der Universität Hamburg und in der Satzung der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften geregelt. Im Fachbereichsrat sind Vertreter*innen aller „Statusgruppen“ (Hochschullehrer*innen, Studierende, Wiss. Mitarbeiter*innen und Verwaltungsmitarbeiter*innen) präsent. Die Wahl erfolgt durch alle Mitglieder des Fachbereichs gemäß der Wahlordnung der Universität. Was mit dem Verweis auf Satzungen, Ordnungen und Gesetzte zunächst etwas „sperrig“ anmutet, ist in der Praxis häufig mit interessanten Diskussionen und wichtigen Fragen für den Fachbereich verbunden. In der letzten Sitzung hat der Fachbereichsrat sich beispielsweise mit Details der großen Lehramtsreform, die derzeit in Hamburg stattfindet, beschäftigt, da die Sozialökonomie an verschiedenen Lehramtsstudiengängen beteiligt ist. Zudem wurde in der letzten Sitzung der inhaltliche Schwerpunkt für das nächste Themensemester festgelegt: „Sozialökonomische Perspektiven in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung“ lautet das Motto, unter dem ab dem Wintersemester 19/20 Veranstaltungen innerhalb der Lehre, aber auch für eine breitere Öffentlichkeit stattfinden werden. Zudem war der besondere Hochschulzugang der Sozialökonomie „Studieren ohne Abitur“ Thema. Für die heutige Sitzung des Fachbereichsrates steht u.a. auf der Tagesordnung:

  • Begrüßung neuberufener Juniorprofessorinnen
  • Vorstellung der Lehrplanung des nächsten Wintersemesters
  • Veränderungen bei der zentralen Hörsaalvergabe

Außerdem sollen Vertreter*innen für verschiedene Ausschüsse und Positionen benannt werden. Denn neben dem Fachbereichsrat gibt es noch: Programmdirektionen, Prüfungsausschüsse und Qualitätszirkel für jeden Studiengang, Widerspruchsausschüsse, einen Aufnahmeprüfungsausschuss, einen Promotionsunterausschuss, Berufungskommissionen, (stellvertretende) Gleichstellungsbeauftragte, Mitglieder der Sozialökonomie im Fakultätsrat, einen Ausschuss für Lehre und Studium, Ombudspersonen, und, und, und… Außenstehenden ist die Fülle an Gremien, Ausschüssen und Ämtern oft nur schwer verständlich zu machen. Auch intern sind die (vielen) Sitzungstermine nicht immer beliebt, weil sie in zeitlicher Konkurrenz zu den „direkteren“ Aufgaben in Forschung und Lehre stehen. Aber alle wissen, dass „Fakultätsrat, Fachbereichsräte & Co“ notwendig sind, um durch die akademische Selbstverwaltung eine Struktur zu schaffen, in der Wissenschaft überhaupt erst gelingen kann. Und so hoffe ich, dass sich auch bei zukünftigen Anfragen nach Besetzungsvorschlägen für Kommissionen und Ämter, mit denen ich als Referentin im Auftrag des Fachbereichsrates häufig an Personen(gruppen) herantrete, immer Freiwillige finden lassen. Schließlich geht es auch darum, Gestaltungsspielräume der akademischen Selbstverwaltung für eine gute Wissenschaft zu nutzen.

Stephanie Zuber ist Referentin des Fachbereichs Sozialökonomie und als solche u.a. zuständig für den Fachbereichsrat Sozialökonomie. Der Fachbereichsrat tagt hochschulöffentlich. 

Schlagwörter


„Arbeit und sozialer Wandel“ – ein neue „Profilinitiative“ startet

09. Juli 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Wolfgang Menz

Der Wandel von Arbeit ist unübersehbar und für viele Menschen unmittelbar im eigenen Arbeits- und Privatleben spürbar. Digitale Kommunikationstechnologien ermöglichen eine zunehmende „Ortlosigkeit“ von Arbeit: Gearbeitet werden kann nicht nur in den Gebäuden des Unternehmens, sondern auch unterwegs oder im home office. Transnationale Kooperationsbeziehungen werden für viele Beschäftigte alltäglich. Neue Formen von Dienstleistungsarbeit entstehen, die unsere Konsumformen verändern – wir beziehen Handwerkerleistungen über Crowdsourcingplattformen, betreiben home banking oder lassen uns unser Abendessen plattformgesteuert von selbständigen Fahrradkurieren liefern. „Arbeit“ ist aber nicht nur sichtbare Erwerbsarbeit in Büros, in Fabriken oder an der Kundenschnittstelle, sondern auch Sorgearbeit im privaten Raum, etwa Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen, bisweilen unterstützt von informell Beschäftigten. Über den gesamten Lebenslauf betrachtet sind solche Formen unbezahlter, informeller und häufig gleichsam „gesellschaftlich unsichtbarer“ Arbeit im Umfang ebenso bedeutsam wie klassische abhängige Erwerbsarbeit.

Welche Phänomene die aktuelle Arbeitswelt prägen, was als die zentralen Ursachen und die relevanten Wendepunkte betrachtet werden kann und welche Herausforderungen– etwa für die sozialen Sicherungssysteme – dies impliziert, ist Gegenstand der universitären Profilinitiative „Arbeit und sozialer Wandel“. Ein umfassendes Bild arbeitsgesellschaftlicher Umbruchprozesse zu zeichnen, kann keiner wissenschaftlichen Disziplin alleine gelingen. Zehn Professuren des Fachbereichs Sozialökonomie aus den Fachgebieten VWL, BWL und Soziologie sind daran beteiligt, im Kontext der interfakultären Profilinitiative neue Forschungsperspektiven und Projektvorhaben zu erarbeiten. Dazu zählen die Antragstellung zu zwei Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie verschiedene bereits laufende Kooperationsprojekte:

Grenzen der Verteilung? Sozioökonomische Analysen zur Wahrnehmung von (Um-) Verteilungen in Europa“, Prof. Miriam Beblo, Dr. Elisabet Bublitz (beide VWL) und Prof. Henning Lohmann (Soziologie)

Teilhabe durch Crowdworking: Eine Analyse der Gelingensbedingungen einer Innovation für Personengruppen mit erschwerter Teilhabe am Erwerbsleben“, Prof. Daniela Rastetter und Prof. Florian Schramm (beide BWL) sowie Prof. Wolfgang Menz (Soziologie)

Forschungsverbund „Standards guter Arbeit“: An dem interdisziplinären Forschungsverbund aus BWL, Soziologie, Arbeitspsychologie, Theologie und Rechtswissenschaft, an dem über die UHH hinaus auch die Helmut –Schmidt-Universität mitarbeitet, sind aus dem Fachbereich Sozialökonomie Prof. Daniela Rastetter und Prof. Florian Schramm (beide BWL) beteiligt.

Forschungsprojekt Management ständiger Erreichbarkeit, Prof. Wolfgang Menz (Soziologie) in Kooperation mit der Universität Freiburg, Arbeits- und Organisationspsychologie

Ansprechpartner der Fakultät für den Bereich „Arbeit und Sozialer Wandel“ ist Prof. Dr. Wolfang Menz. Tipp: Weitere Kurzbeiträge rund um das Thema Arbeit finden Sie, indem Sie in der Schlagwortliste (rechten Spalte auf der Homepage) das Schlagwort „Arbeit und Sozialer Wandel“ auswählen.

Schlagwörter


Bachelorarbeit zum Thema Unternehmentsethik

08. Juli 2019 FB SozÖk

Von Anuschka Reekers

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Professur für Unternehmensethik am Fachbereich Sozialökonomie habe ich mich mit der Fragestellung befasst, ob und inwiefern Unternehmen eine Verantwortung bezüglich der wachsenden Vermögens- und Einkommensungleichheiten in Deutschland haben. Für mich ist das Zusammenspiel von Gesellschaft und Wirtschaft und die moralische und ethische Ausgestaltung der Wirtschaft ein wichtiges und vor allem sehr interessantes Wissenschaftsfeld. Deshalb war schnell klar, dass ich, wenn möglich, meine Abschlussarbeit in diesem Bereich schreiben möchte. Die wachsende realpolitische Macht von großen Unternehmen und die Globalisierung führen meiner Meinung nach auch zu einem erweiterten Verantwortungsbereich. Daher istfür mich die Frage nach einer Verantwortung bzgl. der Vermögens- und Einkommensungleichheit eine sehr interessante, vor allem auch deshalb, da sie trotz der hohen gesellschaftlichen Relevanz bisher wenig untersucht wurde.

Im Laufe meiner Arbeit hat sich gezeigt, dass Unternehmen in jedem Fall Mitverursacher der wachsenden Einkommens- und Vermögensungleichheiten in Deutschland sind. Mithilfe von wirtschaftsethischen Theorien sowie einer philosophischen Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls habe ich außerdem untersucht, inwiefern diese Rolle des Mitverursachers auch eine Verantwortung begründen kann bzw. sollte. Aus integrativer Perspektive haben Unternehmen die Verantwortung, den Geschäfts- und Ordnungsrahmen ethisch legitim zu gestalten. Die Umsetzung dieser Verantwortung beginnt in der Praxis mit einem rationalen Diskurs mit allen Stakeholdern. Wendet man, wie in der Arbeit geschehen, das Differenzprinzip nach John Rawls innerhalb dieser rationalen Diskurse an, lassen sich die Gerechtigkeitsvorstellungen aller Stakeholder sowie der Geschäftsführung operationalisieren: Gerecht ist demnach kurzgefasst jede soziale oder wirtschaftliche Ungleichheit, die den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil verschafft. 

Für die Praxis finde ich es wichtig, sich weiter mit diesem Themenkomplex und dieser Fragestellung zu beschäftigen. Ich denke, dass bereits eine Steigerung des Bewusstseins dazu führen kann, dass Änderungen angestoßen werden. Viele Unternehmen zeigen bereits praktische Umsetzungen ihrer Verantwortung: Sie achten auf eine engere Kommunikation mit den Stakeholdern und beziehen diese in wichtige Entscheidungen ein, sie setzen sich Ziele bezüglich der Diversität im Management und einige achten bereits auf die Auszahlung eines tatsächlich existenzsichernden Lohnes für die unteren Jobpositionen. Diese Ansätze müssen noch viel weiter ausgebaut und flächendeckend von Unternehmen umgesetzt werden. Erhöhter Handlungsbedarf besteht beispielsweise noch bezüglich der Beschränkung von oberen Löhnen, vor allem von Managementgehältern. Hier lassen sich in der Praxis bisher äußerst wenige Umsetzungen finden.

Anuschka Reekers ist Absolventin des Bachelor Sozialökonomie aus dem Jahr 2019.

Schlagwörter


Sozialökonomie Studieren! Aktuelle Bewerbungsfristen

05. Juli 2019 FB SozÖk

Bereits 63 Schlaglichter haben jeweils an konkreten Beispielen gezeigt, womit Sozialökonomie sich befasst. Sozialökonomie ist vielfältig und spannend! Wenn Sie Interesse an einem Studium am Fachbereich Sozialökonomie haben, können Sie sich JETZT bewerben. Bis zum 15. Juli läuft die Bewerbungsfrist für einen Studienstart zum Wintersemester in folgenden unserer Studiengänge:

  • Sozialökonomie (Bachelor)
  • M.Sc. Interdisziplinäre Public und Nonprofit Studien (Masterstudiengang, M.Sc.)
  • Health Economics & Health Care Management (Masterstudiengang, M.Sc.)
  • Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft – Ökonomische und Soziologische Studien (Masterstudiengang, M.A.)

Für zwei weitere Masterstudiengänge gelten abweichende Fristen: International Business and Sustainability (M.A., Start jeweils zum Wintersemester, Bewerbungsfrist i.d.R. 15.02. bis 31.03.) und Human Resource Management/Personalpolitik (M.A., Start jeweils zum Sommersemester, 01.12.-15.01)

Die Programmdirektionen der Studiengänge und das Studienbüro halten zu jedem Studiengang umfassende Informationen bereit. Hier finden Sie auch alle benötigten Informationen über die einzureichenden Bewerbungsunterlagen und das Zulassungsverfahren.

Hier einige bisherige Schlaglichter, die sich explizit mit Studium und Lehre bei uns am Fachbereich beschäftigen oder die von Studierenden verfasst wurden:

Schlagwörter


Warum und wie ist Sozialkapital aufzubauen?

04. Juli 2019 FB SozÖk

Von Prof. Dr. Dominik Vogel, Prof. Dr. Leisha DeHart (University of North Carolina) und Prof. Dr. Alexander Kroll (Florida International University)

Warum und wie sollten Verwaltungen Sozialkapital aufbauen?

Dieser Frage widmen wir uns in der im American Review of Public Administration veröffentlichten Studie „Mechanisms of Social Capital in Organizations: How Team Cognition Influences Employee Commitment and Engagement“.

Viele sind mit dem betriebswirtschaftlichen Begriff Kapital vertraut: ein Vermögenswert, der an Wert gewinnen oder verlieren kann, wie etwa schwere Ausrüstung, Gebäude und IT-Systeme. Es gibt aber auch ein anderes Kapital, das den gleichen, wenn nicht sogar einen höheren Wert besitzt: das Sozialkapital, das Beschäftigte in Organisationen aufbauen. Es handelt sich dabei um eine Ressource, die es Mitarbeitenden ermöglicht, erfolgreich zusammenzuarbeiten, über sich selbst hinaus zu wachsen und effektiv für die Organisation zu handeln, auch wenn Zeit und Geld knapp sind.

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass die Performance von Organisationen gesteigert wird, wenn sie Sozialkapital mit ihren Mitarbeitenden aufbauen. Rhys Andrews von der Cardiff University fand bei einer Untersuchung unter englischen Kommunalverwaltungen heraus, dass sich großes Sozialkapital vorteilhaft auf die Performance von Organisationen auswirkt.

In unserer Studie zeigen wir, dass Sozialkapital zudem das Engagement von Mitarbeitenden stärkt, und dass Teams eine wichtige Rolle dabei spielen, ein Bewusstsein für Sozialkapital zu erzeugen, indem sie gemeinsame Werte schaffen und kommunizieren.

Im Rahmen der Local Government Workplaces Initiative der University of North Carolina at Chapel Hill unterstützen wir lokale Behörden dabei, Sozialkapital mit ihren Mitarbeitenden aufzubauen. Hierfür benötigt man drei Zutaten: eine Botschaft, Teamwork und Vertrauen. Um dies zu erreichen, geben wir den Behörden die folgenden drei Ratschläge:

  1. Entwerfen, kommunizieren und nutzen Sie eine überzeugende Botschaft.
  2. Ermöglichen Sie Teamwork unter ihren Mitarbeitenden.
  3. Schaffen Sie Vertrauen unter ihren Mitarbeitenden.

Verwaltungen können ihre Performance steigern, indem sie Sozialkapital mit ihren Mitarbeitenden aufbauen. Um dies zu erreichen, benötigen sie eine überzeugende Botschaft, effektive Teamarbeit und Vertrauen zwischen Mitarbeitenden und Management. Dies führt im Ergebnis zu einer Qualitätssteigerung der Dienstleistungen, die Verwaltungen für die Allgemeinheit bereitstellen.

Der vollständige Artikel kann unter folgendem Link nachgelesen werden: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0275074019851894.

Eine Version ohne Zugangsbeschränkungen findet sich hier: https://vogel-online.info/publication/19-arpa-osc/

Dominik Vogel ist Juniorprofessor für BWL, insb. Public Management.

Schlagwörter


Seite 1 von 8